Lüneburg, am Donnerstag den 28.05.2026

LKA-NI: Kinder schützen, Täter verfolgen:

von Polizei am 28.05.2026


LKA Niedersachsen setzt auf moderne Technik
Hannover (ots)


Zum Internationalen Kindertag am 1. Juni richtet das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen den Blick auf einen Bereich der Kriminalitätsbekämpfung, der für den Schutz von Kindern eine zentrale Rolle spielt: Die Bearbeitung von Hinweisen auf Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern. Die Hinweiszahlen der Organisation National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) bleiben fortlaufend auf einem hohen Niveau. Hinter jedem einzelnen Hinweis können tausende Dateien stehen, die geprüft, eingeordnet und gerichtsfest dokumentiert werden müssen. Um Ermittler:innen bei dieser anspruchsvollen Arbeit zu unterstützen, hat das LKA Niedersachsen eine eigene Software entwickelt. Die Fallzahlen in Niedersachsen sind 2025 in einzelnen Deliktsbereichen zwar leicht rückläufig; die Anforderungen an die digitale Auswertung bleiben jedoch hoch.

"Der Internationale Kindertag erinnert uns daran, dass Kinder besonderen Schutz verdienen - überall dort, wo sie leben, lernen und kommunizieren. Unser Auftrag als Landeskriminalamt ist klar: Wir verfolgen sexualisierte Gewalt gegen Kinder und die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen mit aller Konsequenz. Dafür braucht es erfahrene Ermittler:innen und moderne technische Unterstützung. So können wir große Datenmengen professionell und verantwortungsvoll auswerten und Täterinnen und Täter schnell identifizieren", betont Carsten Reinhardt, Dezernatsleiter für die Bearbeitung von Kinderpornografie.

Die aktuellen Zahlen machen deutlich: Die Herausforderung liegt nicht allein in steigenden oder sinkenden Fallzahlen, sondern in der Menge und Komplexität der digitalen Auswertung. Im Bereich Kinderpornografie sind die Fallzahlen 2025 rückläufig. Bei Verfahren wegen der Verbreitung, des Erwerbs oder des Zugänglichmachens kinderpornografischer Inhalte nach § 184b Absatz 1 StGB gingen die Zahlen von 3.023 Fällen im Jahr 2024 auf 2.285 Fälle im Jahr 2025 zurück. Auch die Fälle des Besitzes kinderpornografischer Inhalte nach § 184b Absatz 3 StGB sanken im selben Zeitraum von 2.548 auf 2.267 Fälle. Gleichzeitig bewegen sich die Hinweise des NCMEC mit 5.921 Eingängen im Jahr 2025 weiterhin auf hohem Niveau.

Ein wesentlicher Teil der Ermittlungsarbeit beginnt mit Hinweisen des NCMEC. Diese Meldungen entstehen unter anderem, wenn Anbieter digitaler Dienste verdächtige Inhalte feststellen und weiterleiten. In Deutschland gehen die Hinweise zunächst beim Bundeskriminalamt (BKA) ein. Das BKA erhält seit Jahren erheblich steigende Hinweiszahlen aus den USA. Während 2015 etwa 14.500 solcher Fälle aus den USA gemeldet waren, waren es im Jahr 2024 bereits rund 205.700 Fälle. Im Jahr 2025 nahmen die Hinweiseingänge erneut zu. Durch das BKA werden die Hinweise vorab bearbeitet und anschließend an die zuständigen Bundesländer weitergegeben.

Die Hinweiszahlen für Niedersachsen bewegen sich seit Jahren auf einem gleichbleibend, hohen Niveau. Allein in den Jahren 2023 bis 2025 wurden dem LKA Niedersachsen jeweils mehrere tausend NCMEC-Hinweise übermittelt (2023: 5603, 2024: 6338, 2025: 5921). Die Entwicklung zeigt, vor welchen Herausforderungen die Ermittlungsbehörden stehen: Fortlaufend hohe Hinweiszahlen, immer größere Datenmengen und zahlreiche digitale Spuren müssen geprüft, analysiert und bewertet werden.

Denn mit jedem Hinweis beginnt eine umfangreiche, digitale Auswerung. Die Ermittler:innen prüfen täglich Smartphones, Festplatten, Cloudspeicher und andere Datenträger auf relevante Inhalte und Spuren. Darauf befinden sich häufig tausende oder sogar Millionen Dateien. Relevante Inhalte müssen erkannt, eingeordnet und von anderem Bild- und Videomaterial unterschieden werden.

Um die Bearbeitung zu unterstützen, entwickelt und verbessert das LKA Niedersachsen fortlaufend technische Lösungen, die bei der Sichtung, Einordnung und Priorisierung von Bild- und Videomaterial helfen. Eine vom LKA entwickelte Software hilft dabei, Bild- und Videomaterial vorzustrukturieren. Sie besteht aus zwei Programmen, dem KiPo-Analyzer und dem Tracebook KiPo. Der KiPo-Analyzer kann pornografische Inhalte erkennen, zwischen Erwachsenenpornografie sowie Kinder- und Jugendpornografie unterscheiden und Datensätze so aufbereiten, dass Ermittler:innen laufende Missbrauchsfälle schneller ausfindig machen und Datensätze gezielter prüfen können. Das Programm Tracebook KiPo dient im Nachgang zur Sichtung sowie Bewertung der durch den KiPo-Analyzer erzeugten Resultate. Die Software wird fortlaufend weiterentwickelt und ist inzwischen auch bei anderen Landeskriminalämtern im Einsatz.

Das Dezernat Data Solutions des LKA Niedersachsen arbeitet fortlaufend an der Weiterentwicklung solcher technischer Lösungen. Dezernatsleiter Alexander Fläschner betont: "Die Technik ersetzt nicht die Bewertung durch Ermittler:innen. Sie unterstützt sie. Denn die Inhalte müssen sorgfältig geprüft, eingeordnet und gerichtsfest dokumentiert werden. Gerade angesichts wachsender Datenmengen ist digitale Unterstützung jedoch ein entscheidender Faktor. Unsere Arbeit kann dazu beitragen, dass Ermittler:innen relevante Inhalte schneller finden und besonders schwere Fälle früher prüfen können."

Die hohe Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich zeigt, wie wichtig das Zusammenspiel aus detaillierten Hinweisen, spezialisierter Ermittlungsarbeit und technischer Weiterentwicklung ist. Im Jahr 2024 lag die Aufklärungsquote bei rund 95 Prozent, im Jahr 2025 sogar bei 97 Prozent.

Neben der konsequenten Bearbeitung von Hinweisen und digitaler Spuren ist für das LKA Niedersachsen die Prävention und Aufklärung im Bereich sexualisierter Gewalt gegen Kinder von hoher Bedeutung. Daher sensibilisiert das LKA Niedersachsen die Bürger:innen, bei der Feststellung entsprechender Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern im Internet wie folgt zu handeln:

- Leiten Sie die Inhalte nicht weiter, denn eine Weiterleitung
"zur Warnung" oder "zur Beweissicherung" kann strafbar sein und
trägt zur weiteren Verbreitung bei.
- Suchen Sie nicht nach weiteren Inhalten, kontaktieren Sie keine
mutmaßlichen Täterinnen oder Täter und verbreiten Sie keine
Hinweise in Gruppen oder sozialen Netzwerken.
- Notieren Sie, wo Sie den Inhalt gesehen haben, zum Beispiel
Plattform, Nutzername, Link, Datum und Uhrzeit.
- Wenden Sie sich an die örtlich zuständige Polizeidienststelle
oder nutzen Sie die Online-Wache.
- Wenn ein Kind von belastenden Inhalten, Übergriffen oder
unangemessenen Kontakten berichtet, hören Sie ruhig zu, machen
Sie keine Vorwürfe und holen Sie Hilfe.
Weiterführende Informationen und Handlungsempfehlungen finden Sie bei der Polizeilichen Kriminalprävention:

https://www.polizei-beratung.de/themen-und tipps/sexualdelikte/kinderpornografie/ https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/sexualdelikte/missbrauch-verhindern/

Hintergrund:

Kindesmissbrauchsdarstellungen beschreiben Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern im Alter von ein bis 14 Jahren. Kinder können solchen Handlungen nicht frei zustimmen. Täter:innen nutzen häufig Vertrauen, Abhängigkeiten, Druck oder Manipulation aus - im familiären Umfeld, im sozialen Nahbereich, aber auch im digitalen Raum. Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern zeigen oder dokumentieren schwere Straftaten gegen reale Kinder. Werden solche Inhalte gespeichert, geteilt oder erneut verbreitet, setzt sich die Verletzung der Betroffenen fort: Die Kontrolle über das eigene Bild und die eigene Würde wird ihnen immer wieder entzogen.

© Fotos: Polizei


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