Lüneburg, am Freitag den 18.09.2026

Neue E-Streifenwagen für Lüneburg – und was dahintersteckt

von Winfried Machel am 18.09.2026


Lüneburg. Sie sehen auf den ersten Blick einfach nach neuen Streifenwagen aus. Doch hinter den Audi A6 e-tron, die jetzt bei der Polizei in Lüneburg angekommen sind, steckt ein deutlich größeres Projekt. Niedersachsen stellt seine Polizeiflotte Schritt für Schritt auf Elektromobilität um – und beschäftigt sich bereits seit mehr als zehn Jahren mit der Frage, ob und wie Elektrofahrzeuge auch im anspruchsvollen Polizeialltag funktionieren.

Bei einem Termin in der Polizeiinspektion Lüneburg wurden am Donnerstag die neuen Fahrzeuge und die dazugehörige Ladeinfrastruktur vorgestellt. Zwei der ersten drei neuen vollelektrischen Funkstreifenwagen für den Bereich der Polizeidirektion werden am Standort Lüneburg eingesetzt.

Polizeidirektor Oliver Suckow, Leiter des Einsatzbereichs der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen, nahm sich dabei ausführlich Zeit, nicht nur die neuen Fahrzeuge zu präsentieren, sondern auch zu erklären, was hinter der Umstellung steckt.

Mehr als drei Millionen Testkilometer

Denn die Entscheidung für Elektro-Streifenwagen fiel nicht von heute auf morgen. Seit mehr als zehn Jahren sammelt die Polizei Niedersachsen Erfahrungen mit elektrischen und teilelektrischen Fahrzeugen.

In einem umfangreichen Projekt wurden über drei Millionen Kilometer unter realen Bedingungen zurückgelegt. Die Fahrzeuge waren dabei nicht nur in Städten unterwegs, sondern bewusst in ganz unterschiedlichen Regionen Niedersachsens – mit Stadtverkehr, langen Strecken auf dem Land und zwei Wintern.

Die Erkenntnis der Polizei: Während vollelektrische Fahrzeuge vor einigen Jahren wegen ihrer geringen Reichweiten nur für einen Teil der Aufgaben geeignet waren, lassen sich mit der heutigen Technik nahezu alle normalen Einsatzszenarien des Streifendienstes abdecken.

Gerade auf dem Land ist das eine wichtige Frage. Streifenwagen können hier nach Angaben beim Termin Laufleistungen von 60.000 bis 70.000 Kilometern im Jahr erreichen.

Reichweite auch im Winter berücksichtigt

Auch die immer wieder diskutierte Reichweite bei niedrigen Temperaturen wurde untersucht. Bei starker Kälte müsse mit einem Reichweitenverlust von etwa 20 Prozent gerechnet werden. Solche Faktoren werden bei der Einsatzplanung berücksichtigt.

Im normalen Polizeialltag ist die Reichweite nach den bisherigen Erfahrungen jedoch kein entscheidendes Hindernis mehr. Die heutigen Fahrzeuge seien so ausgelegt, dass im Zweifel sogar mehrere Schichten gefahren werden könnten, ohne zwischendurch nachzuladen.

Entscheidend ist, was hinter dem Parkplatz passiert

Mindestens genauso interessant wie die neuen Autos ist deshalb die Infrastruktur dahinter.

An den niedersächsischen Polizeiliegenschaften sind inzwischen rund 900 Ladepunkte installiert. Diese Zahl bestätigt auch das niedersächsische Innenministerium.

Dabei reicht es nicht, einfach möglichst viele Ladesäulen aufzustellen. Zunächst muss berechnet werden, welche Fahrzeuge an einem Standort eingesetzt werden, welche Strommenge benötigt wird und welche Leistung der vorhandene Netzanschluss überhaupt bereitstellen kann.

Wo die vorhandene Leistung nicht ausreicht, gibt es zwei Möglichkeiten: Der Netzanschluss wird ausgebaut – beispielsweise über zusätzliche Trafotechnik – oder die vorhandene Energie wird intelligent verteilt.

Genau dieses Lademanagement ist für die Polizei entscheidend. Einsatzfahrzeuge, die jederzeit wieder auf die Straße müssen, erhalten beim Laden Vorrang. Andere Dienstfahrzeuge können währenddessen mit geringerer Leistung geladen werden. Sind die Streifenwagen ausreichend geladen, steht wieder mehr Leistung für die übrigen Fahrzeuge zur Verfügung.

Auch am Standort Lüneburg soll die Ladeinfrastruktur weiter ausgebaut werden. Nach den Angaben beim Termin ist vorgesehen, die vorhandenen Kapazitäten in den kommenden Jahren nochmals deutlich zu erweitern.

Was passiert bei einem Stromausfall?

Für die Polizei stellt sich bei Elektromobilität noch eine andere Frage als für Privatfahrer: Die Fahrzeuge müssen auch dann einsatzbereit bleiben, wenn die normale Stromversorgung ausfällt.

Nach Angaben bei der Präsentation gibt es dafür mehrere Absicherungen, darunter Notstromlösungen. Zusätzlich beschäftigt sich die Polizei mit mobiler Ladeinfrastruktur – etwa Batteriespeichern auf Anhängern, in Containern oder auf Lastwagen.

Auch Photovoltaik und sogenanntes bidirektionales Laden spielen in den Überlegungen eine Rolle. Dabei würde ein Elektroauto nicht nur Strom aufnehmen. Seine Batterie könnte im Bedarfsfall auch Energie zurückgeben und beispielsweise Teile einer Dienststelle bei einem Stromausfall versorgen. Noch ist das Zukunftsmusik, technisch beschäftigt sich die Polizei aber bereits mit solchen Möglichkeiten.

268 Audi A6 e-tron bis Mitte 2027

Der Audi A6 e-tron soll zunehmend zum normalen Bild auf Niedersachsens Straßen gehören. Seit August werden die ersten Fahrzeuge eingesetzt. Bis Mitte 2027 sollen insgesamt 268 Audi A6 e-tron bei der Polizei Niedersachsen unterwegs sein. Das Innenministerium hat diese Zahl Anfang der Woche ebenfalls veröffentlicht.

Insgesamt umfasst der niedersächsische Polizeifuhrpark nach den beim Termin genannten Angaben rund 4.200 Fahrzeuge. Etwa ein Viertel davon ist derzeit bereits teil- oder vollelektrisch.

Die neuen Streifenwagen in Lüneburg sind damit nur der sichtbarste Teil eines wesentlich größeren Umbaus. Fahrzeuge, Stromversorgung, Ladepunkte und Einsatzplanung müssen zusammen funktionieren.

Und genau darin liegt die eigentliche Geschichte hinter den neuen Audis: Die Polizei testet nicht mehr grundsätzlich, ob Elektromobilität im Streifendienst funktioniert. Nach mehr als zehn Jahren Erfahrung und Millionen Testkilometern geht es inzwischen darum, die Voraussetzungen für den Einsatz in größerem Maßstab zu schaffen.

Quelle: Vor-Ort-Termin bei der Polizeiinspektion Lüneburg am 17. September 2026, Polizei Niedersachsen und Niedersächsisches Ministerium für Inneres

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© Fotos: Hajo Boldt


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