OB-Kandidat Oliver Wozionk zieht zurück — Katastrophe für die SPD
von Carlo Eggeling am 18.06.2026Für die Lüneburger SPD ist es eine Katastrophe: OB-Kandidat Oliver Wozinok zieht seine Bewerbung aus gesundheitlichen Gründen zurück. Die Gründe nennt er in einer Erklärung bei Instagram. Dass der schwer angeschlagene Mitarbeiter des Landesschulamtes diese Konsequenz zieht, ist nachvollziehbar. Ihm sei alles Gute gewünscht.
Gleichwohl trifft es eine Partei, die bundesweit, aber auch lokal zerzaust dasteht. Wie geht es weiter? Das soll heute Abend von 21 Uhr an eine Sitzung des Ortsvereinsvorstandes klären. Diskutiert werden, so heißt es, drei Varianten: ein neuer eigener Kandidat, gar kein Kandidat und auch keine Unterstützung für einen der anderen Bewerber oder aber doch jemand aus dem Kreis der OB-Bewerber zu unterstützen.
Bei den eigenen Bewerbern liegen drei Namen nahe: Der Bundestagsabgeordnete Jakob Blankenburg, sein Landtagskollege Philipp Meyn und Urgestein Andrea Schröder-Ehlers. Blankenburg ist allerdings in Berlin einer, der dort viel für die Region bewegt und der gut in der Partei und der Ministerien vernetzt, er ist unter anderem mit SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf aus Lübeck befreundet. Philipp Meyn hatte bereits bei der lange dauernden Kandidatensuche keine Lust gezeigt, in Lüneburg anzutreten. Aus seiner Partei heißt es, Hannover empfinde er eher als seine Bühne.
Andrea Schröder-Ehlers war leitend in der Stadtverwaltung tätig, bevor sie Landtagsabgeordnete wurde. Als sie gegen den Grünen Pascal Mennen unterlag, ging sie als Vize-Präsidentin zum Landesrechnungshof. Ein guter Job, ob sie den aufgeben würde? Zudem hat sie nicht nur Fans in ihrer Partei, obwohl sie im Stadtrat deren profilierteste und scharfsinnigste Rednerin ist.
Will die SPD einen anderen unterstützen, kann es nur um drei Namen gehen: Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch von den Grünen, den parteilosen Heiko Meyer und den CDU-Mann und Unternehmer Patrick Pietruck.
Für wen aus dem Trio sich die SPD auch ausspricht, es ist eine Entscheidung für die Konstellation nach der Wahl. Kalisch bedeutet, man strebt auf ein Bündnis: Grüne, SPD und Linke zu, Meyer bedeutet Ungewissheit, weil der keine Hausmacht hinter sich hat und sich dementsprechend immer neue Partner suchen muss. Bei Pietruck liegt auf der Hand, dass es CDU, SPD und die FDP machen dürften, die aber mehr als nur ein Mandat holen müsste.
Gegen alle drei gibt es aus verschiedenen Lagern Bedenken: Kalisch habe in ihrer Amtszeit bewiesen, dass sie wenig bewegt und den Laden nicht im Griff habe, bei Meyer vermissen manche Inhalt, außer Ich bin's Euer Heiko sei da nicht viel. Pietruck und die CDU wäre für viele Linke eine große Überwindung -- zu viel Wirtschaft, zu wenig Soziales.
Unterbezirksvorsitzender Jakob Blankenburg geht davon aus, dass man heute Abend einen Weg skizzieren könne. Über das Ergebnis soll am Freitag nächster Woche eine Mitgliederversammlung entscheiden, das Procedere gibt die Parteisatzung vor.
Oliver Wozinok kam spät mit wenig Chancen ins Rennen, selbst in seiner Partei kannte ihn kaum jemand. Dass er die Herausforderung annahm, ehrt ihn. Er war präsent in Stadtteilen, bei Haustürbesuchen, bei Veranstaltungen. Da zeigte er durchaus Profil und Ideen. Dass ihn seine Krankheit plötzlich so stoppte, war ein Schlag -- er konnte gar nicht anders, als sich um seine Gesundheit zu kümmern.
In der Partei hofft man, dass er weiterhin in den Rat möchte, dort gilt er als nächster Fraktionsvorsitzender.
Für die SPD lief es seit einem dreiviertel Jahr fast peinlich: Über Monate konnte sie kein Gesicht präsentieren, wer infrage gekommen wäre, duckte sich weg. Damit sind die Sozis nicht alleine, bei der CDU lief es ähnlich schleppend.
Das Amt OB nahm Schaden, die Partei -- im Rat und inhaltlich uneins -- ebenfalls. Blankenburg, der führende Kopf, muss auf Optimismus setzen: Dieser Bruch sei auch eine Chance, sich neu zu sortieren und zu präsentieren. Eins ist jedenfalls zu beobachten: Die Motivation im laufenden Wahlkampf ist eine größere als vor fünf Jahren. Carlo Eggeling
Im Anhang lesen Sie Auszüge einer internen Erklärung des Lüneburger Ortsvereinsvorsitzenden Luca Thieme:
Heute hat Oliver Wozniok bekannt gegeben, dass er seine Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen muss. Diese Nachricht trifft uns alle. Zugleich haben wir großen Respekt vor dieser Entscheidung und wünschen Oliver vor allem eines: eine schnelle und vollständige Genesung, denn die Gesundheit hat immer Vorrang!
Für uns als Lüneburger SPD ist klar: Unser Anspruch auf das Amt des Oberbürgermeisters oder Oberbürgermeisterin bleibt bestehen. Die Frist zur Einreichung von Wahlvorschlägen endet erst am 6. Juli. Deshalb werden wir heute Abend als Ortsvereinsvorstand tagen, um die Situation gemeinsam zu beraten und die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Im Anschluss werden wir euch über das weitere Vorgehen informieren und unseren Plan vorstellen.
Eines möchte ich aber schon jetzt deutlich sagen: Wir machen weiter. Mit einem starken Team, engagierten Kandidatinnen und Kandidaten für den Stadtrat und dem festen Willen, Verantwortung für unsere Hansestadt zu übernehmen. Die Herausforderungen für Lüneburg sind nicht kleiner geworden und unser Anspruch, die Stadt sozial, gerecht und zukunftsfähig zu gestalten, ebenfalls nicht.
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