Sieben Klos für Lüneburg – wenn der Bus kommt, aber die Blase drückt
von Winfried Machel am 09.09.2026LÜNEBURG. Es gibt politische Themen, bei denen geht es um Millionen, Stadtentwicklung und die ganz großen Zukunftsfragen. Und dann gibt es Themen, bei denen es irgendwann einfach nur noch dringend wird.
Heute beschäftigt sich der Lüneburger Rat mit einem Antrag, der zumindest beim Lesen der Tagesordnung für einen kurzen Moment innehalten lässt:
„7 WC-Container an Lüneburgs Bushaltestellen“.
Sieben Container. Sieben Bushaltestellen. Sieben stille Örtchen.
Eigentlich könnte man darüber herrlich spotten. Die Vorstellung hat durchaus etwas: Man wartet auf den Bus, schaut auf die Anzeige und stellt fest: Noch zwölf Minuten. Früher war das ärgerlich. Künftig könnte man diese Zeit möglicherweise sinnvoll nutzen.
Aber ganz so albern ist das Thema dann doch nicht.
Wer länger mit Bus und Bahn unterwegs ist, ältere Menschen, Familien mit Kindern oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, kennt das Problem. Eine Toilette braucht man meistens nicht dort, wo zufällig eine vorhanden ist – sondern genau dann, wenn man eine braucht.
Und damit steckt hinter dem etwas ungewöhnlich klingenden Antrag durchaus eine ernsthafte Frage:
Gehören Toiletten an wichtigen Umsteigepunkten zu einem alltagstauglichen ÖPNV?
Interessant dabei: Auch die Situation an Lüneburgs Bushaltestellen selbst beschäftigt die Politik. So soll ebenfalls über die Beleuchtung gesprochen werden – und damit über Orte, an denen man abends vielleicht nicht unbedingt besonders gerne auf den nächsten Bus wartet.
Unsere Christine war schon einmal unterwegs und hat sich an Lüneburgs Haltestellen umgesehen. Busse, wartende Fahrgäste – und natürlich durfte auch ein stilechter TOI-TOI-Container als Fotomodell nicht fehlen.
Auf nächtliche Streifzüge zu schlecht beleuchteten Bushaltestellen hat Christine dann allerdings verzichtet. Irgendwo hört der fotografische Entdeckergeist schließlich auch auf. 😄
Ob daraus tatsächlich sieben neue WC-Container werden, ist allerdings noch völlig offen. Darüber wird heute erst beraten.
Und vielleicht ist das auch eine jener Ideen, bei denen man zunächst schmunzelt – bis man selbst an der Bushaltestelle steht und plötzlich denkt:
Eigentlich gar nicht so schlecht.
Wir sind gespannt, was der Rat daraus macht – und werden berichten.
Was meint ihr: Braucht Lüneburg Toiletten an wichtigen Bushaltestellen – oder wäre das des Guten zu viel?
Fotos: Christine Böhm
Quelle: Tagesordnung des Rates der Hansestadt Lüneburg
www.lueneburgaktuell.de
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Kommentare
am 09.09.2026 um 14:56:24 Uhr
Und um welchen Preis geht es denn dabei?
Könnte dieses Geld nicht auch für einen anderen Bedarf verwendet werden?
🤫 Gruß vom stillen Örtchen
am 09.09.2026 um 15:30:23 Uhr
In einer außerordentlichen Sitzung des Rates der Hansestadt Lüneburg im Gesellschaftshaus des Psychiatrischen Klinikums (PKL), Am Wienebütteler Weg 1, beschäftigt sich das Plenum heute (9. September 2026, ab 16:00 Uhr) u. a. unter TOP Ö 10.31 mit der Vorlage AT/12449/26, einem Antrag des Ratsherren Birger Johnson vom 28. April 2026, der lautet:
● Der Rat möge beschließen, in der Hansestadt Lüneburg werden 7 WC-Container an folgenden 7 Busendhaltestellen aufgestellt:
1) Kreideberg (Haltestelle: Stöteroggestr./Nord).
2) Hagen (Haltestelle: Freibad).
3) Hafen (Haltestelle: Otto-Brenner-Str./Kehre).
4) Ebensberg (Haltestelle: Am Ziegeleiteich).
5) Oedeme (Haltestelle: SZ Oedeme).
6) Ochtmissen (Haltestelle: Teilfeld).
7) Hagen (Haltestelle: Auf den Blöcken)
- Begründung:
Es ist Aufgabe der öffentliche Hand dafür zu sorgen, dass Busfahrer, in den Pausen ihre Notdurft verrichten können, und dafür entsprechende Örtlichkeiten (z.B. Sanitärcontainer ect.) in Abstellnähe der Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen. Ich fordere den Rat der Stadt auf, dafür zu sorgen!
● Die Verwaltung schlägt vor, den Antrag aufgrund fehlender Zuständigkeit der Hansestadt Lüneburg abzulehnen.
- Begründung:
Entgegen der Annahme in dem Antrag liegt die Zuständigkeit für die Bereitstellung von WC-Anlagen für das Fahrpersonal der Linienbusse im Stadtgebiet Lüneburgs nicht bei der Hansestadt, sondern bei der MOIN Mobilitätsinfrastruktur und -betriebs GmbH als Arbeitgeberin.
Nach § 3a Absatz 1 der Arbeitsstättenverordnung sind Arbeitgeber verpflichtet, Arbeitsstätten so einzurichten und zu betreiben, dass sie den gesundheitlichen Anforderungen entsprechen. Konkretisiert wird dies durch Anhang Nr. 4.1 Absatz 1 der Arbeitsstättenverordnung, wonach geeignete Toilettenanlagen in der Nähe der Arbeitsplätze bereitzustellen sind.
Diese Anforderungen gelten sinngemäß auch für das Fahrpersonal im Linienbusverkehr. Vor diesem Hintergrund empfehlen die Berufsgenossenschaften den Arbeitgebern grundsätzlich, entweder eigene Sanitäreinrichtungen an Endhaltestellen sowie zentralen Umsteige- und Ablösepunkten bereitzustellen oder Vereinbarungen über die Mitnutzung bestehender Toilettenanlagen zu treffen.
Sofern die MOIN Mobilitätsinfrastruktur und -betriebs GmbH oder der Landkreis Lüneburg als Aufgabenträger des öffentlichen Personennahverkehrs sich an die Verwaltung der Hansestadt Lüneburg wenden, um geeignete Flächen zu identifizieren oder erforderliche Sondernutzungserlaubnisse zu erhalten, wird die Verwaltung dieses Anliegen selbstverständlich unterstützend begleiten.
MfG, Daniela Gause
am 09.09.2026 um 14:54:04 Uhr
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