Lüneburg, am Donnerstag den 20.08.2026

SPD plädiert für Kauf der Vonovia-Wohnungen

von Carlo Eggeling am 20.08.2026


Knapp 1000 Wohnungen will der Vonvia-Konzern in Lüneburg verlaufen, davon rund 700 in Kaltenmoor. Als Käufer des 55-Millionen-Euro-Pakets gilt Tristan Capital Partners in Zusammenarbeit mit der Lüneburger Porth-Gruppe. In einem Artikel der Immobilien-Zeitung war zu lesen, dass die neuen möglichen Eigentümer die Wohnungen instand setzen und die Mieten erhöhen wollen. Da die Hochhäuser in Kaltenmoor in einem Sanierungsgebiet liegen, steht der Stadt ein Vorkaufsrecht zu. Die SPD plädiert für die heutige Ratssitzung in einem Antrag dafür, dass die Stadt die Häuser kauft. ca

Ihr Antrag im Wortlaut:

Rund 3.000 Menschen bangen seit heute um ihre Wohnung und stellen sich ganz konkret die Frage, ob ihr
Zuhause bezahlbar bleibt. Über Nacht wurden sie vom weitestgehenden Verkauf ihrer Wohnungen an
eine multinationale Immobiliengruppe überrascht. Daher ist es wichtig das der Rat sich heute als
dringlichsten Punkt mit der Situation befasst und den betroffenen Menschen das deutliche Signal sendet:
Wir stehen an eurer Seite! Durch die Vorlage des Kaufvertrages beginnen wichtige Fristen zu laufen. Es
besteht dringender Handlungsbedarf. Daher stellen wir die folgenden Punkte heute zur Abstimmung:
1. Der Rat spricht sich dafür aus, die Möglichkeiten des gemeindlichen Vorkaufsrechts nach dem
Baugesetzbuch für die vom Verkauf der Vonovia-Wohnungen an Tristan Capital Partners und die
Porth-Gruppe betroffenen Immobilien umfassend zu auszuüben. Die Verwaltung wird
beauftragt, eine rechtliche Prüfung des gemeindlichen Vorkaufsrechts durchzuführen, mögliche
Genehmigungspflichten abzuklären und eine Wahrnehmung innerhalb der Frist des
Baugesetzbuches sicherzustellen.
2. Die Oberbürgermeisterin wird beauftragt zeitnah mindestens jeweils eine öffentliche
Bürgerversammlung in den Stadtteilen Kaltenmoor, Neu Hagen und Weststadt durchzuführen.
Ziel ist es, die Anwohnerinnen und Anwohner frühzeitig über den Kaufvertrag und das Vorgehen
der Stadt zu informieren. Es ist in den Versammlungen den Anliegen, Fragen und Hinweisen der
Bürgerinnen und Bürger ausreichend Raum zu geben.
3. Zur Vorbereitung einer fundierten Entscheidung wird unverzüglich ein Wertgutachten bei einem
vereidigten Sachverständigen, der bisher weder für die Stadt, Tristan Capital Partners oder die
Porth-Gruppe tätig war, beauftragt. Haushaltsmittel sind außerplanmäßig bereit zu stellen.
4. Es ist eine qualifizierte Kanzlei, die bisher weder für die Stadt, Tristan Capital Partners oder die
Porth-Gruppe tätig war, mit der juristischen Begleitung zu beauftragen.
5. Die im Stadtteil Kaltenmoor beauftragte Mieterberatung der AWO ist ab 01.09.2026 mit im
Mietrecht qualifizierten Personal (hilfsweise eine Mietrechts Anwaltskanzlei) zu verstärken.
6. Es wird zum 01.09.26 ein Arbeitskreis aus den Fraktionen und plus jeweils ein von den Fraktionen
benannten Experten/-in, dem Technischen Geschäftsführer der LüWoBau sowie dem
Finanzdezernenten, der Baudezernentin und dem Sanierungstreuhänder gebildet.
7. Der Kaufvertrag ist gem. Transparenzgesetz öffentlich zu machen.
Begründung:
Der Verkauf von 975 Lüneburger Vonovia-Wohnungen an Tristan Capital Partners und die Porth-Gruppe
ist ein Erdbeben auf dem Lüneburger Wohnungsmarkt. Damit dieses Erdbeben keine bleibenden Schäden
hinterlässt muss dies Stadt endlich schnell und entscheiden handeln. Mieterhöhungen stehen bereits im
Raum. Für die rund 3.000 Menschen geht es ganz konkret um die Frage, ob ihr Zuhause bezahlbar bleibt.
Dabei bietet die Sanierungssatzung in Kaltenmoor eine sehr gute Grundlage, dass gemeindliche
Vorkaufsrecht für diese Wohnungen wahrzunehmen und damit diesen Wohnraum dauerhaft in
kommunale Hände zu bringen. Das Ziel ist seit Beginn schließlich die Verbesserung des (Geschoss-)
Wohnens und des Wohnumfeldes. Dabei haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass große,
multinationale Immobiliengruppen mit Vorsicht zu betrachten sind. Es braucht das Engagement der Stadt.
Für eine Nutzung des gemeindlichen Vorkaufsrechts spräche zudem, dass der aktuelle Kaufpreis mit 55
Millionen Euro deutlich geringer ausgefallen ist als vorher gefürchtet und gemutmaßt. Im Schnitt betrüge
der Kaufpreis pro Wohnung also nur rund 56.400 Euro.
Auch wenn es eine große Herausforderung für die Hansestadt Lüneburg wäre, ist ein Erwerb der Vonovia-
Wohnungen im Vorkaufsrecht eine einmalige Chance für Lüneburg und für ein bezahlbares Leben in
unserer Stadt. Wir sollten sie nicht verpassen. Eine weitere Begründung erfolgt mündlich.

© Fotos: ca


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