Lüneburg, am Donnerstag den 30.07.2026

Sprühendes Lüneburg

von Carlo Eggeling am 30.07.2026


Aufgespießt
Sprühender Klimawandel

Der Klimawandel erhält in Lüneburg ein genaues Datum. 2008 erreichte er noch nicht die Gestade der Ilmenau. Ein Wirt an der Schröderstraße hatte in seine Markise einen Sprühnebel eingebaut. Heissa, war da was los. Andere Glasbiergeschäftsbetreiber glühten in Gewitterlaune. Gäste würden pieselig belästigt. Das Rathaus schickte einen seiner besten Emissäre zum Lokal-Termin. Eiderdaus, der Mann wurde zumindest feucht. Ging mal gar nicht. Das Ganze war obendrein ein Umweltfrevel. Die Stadt änderte eine Satzung, um den Zufluss zuzudrehen. 2009 gab der Herr der Zapfhähne auf, kein Streit mehr vor Gericht, Ende der öko-bedenklichen Tröpfchenbewässerung.

Tempi passati. Im Rathaus grünen neue Einsichten. Klimawandel gleich Bewusstseinswandel. Motto: Transpirieren inspiriert. Eine Sprühkonstruktion auf dem Marktplatz soll für Abkühlung sorgen. Wissenschaftlich fundiert, denn die Versuchsanordnung Dusche wird evaluiert. Das Gefühl als solches -- angenehm oder nicht -- so überprüfbar wie Newtons Fallgesetze. Da ist jeder Zweifel fehl am Platze.

Kleinlich, daran zu errinnern, dass Glockenhof und Thorner Markt mit großem klimatischem Sachverstand aufgebrochen werden sollten. Kam irgendwie anders. Wahrscheinlich muss man alles wie den Globus betrachen, verschiedene Klimazonen, die ineinandergreifen.

Nun also künstliche Regentropfen, die aufs Haupt klopfen. Sollte man weiterdenken, im Winter macht der Tröpfchen-Nebel Sinn. Solarbeheizt fällt er auf eisigen Boden und schafft eine Touristenattraktion: Schlittschuhbahnen vor historischer Kulisse. Da zeigt sich vernetztes Denken. Nachhaltig. carlo

© Fotos: Stadt Lüneburg


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