Staatsanwaltschaft bestätigt Ermittlungen gegen AfD-Ballay — der fühlt sich verleumdet
von Carlo Eggeling am 16.09.2026Gegen den AfD-Politiker Kevin Ballay läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts Ladendiebstahls. Das bestätigt die Staatsanwaltschaft. Zu Einzelheiten könne man nichts sagen, die Akten lägen bei der Polizei. Ballay räumt das Verfahren ein, bestreitet den Vorwurf und erklärt seinerseits, er habe Anzeige erstattet: "Wegen Verleumdung, es läuft gegen unbekannt."
Dass der mutmaßliche Diebstahl bekannt und kurz vor der Kommunalwahl Thema in der LZ wurde, wertet Ballay als Kampagne gegen die AfD. Angesichts der Prominenz Ballays, der auf verschiedenen Social-Media-Kanälen lautstark und mit heftigen Attacken auftritt, ist es normales journalistisches Handeln, so einen Vorgang öffentlich zu machen. Gerade bei jemandem, der gegen andere ein hartes juristisches Vorgehen fordert. Der Wähler hat ein Recht zu erfahren, für wen er seine Stimme abgeben kann.
Ballay erzählt die Geschichte so: Kein Ladendiebstahl sei es gewesen, sondern ein Irrtum. Er habe in einem Markt in Dahlenburg zwei Pakete von der Wursttheke geholt, aus einem ein Stück Wurst genommen, abgebissen und den Rest in das andere Paket gesteckt. Das sei aufgefallen. Das Missverständnis habe er eingeräumt und eine Vertragsstrafe von 100 Euro bezahlt. Es sei richtig, dass er nun in mehreren Geschäften ein Hausverbot erhalten habe. In Dahlenburg war der Auftritt Ballays seit Wochen Thema. Passiert ist das Ganze bereits am 31. Juli, Anzeige wurde allerdings erst einen Monat später erstattet.
In der Anzeige, die Ballay LA übermittelt hat, heißt es, er "packte teurere in das günstige Paket mit ein und bezahlte nur das günstigere Paket". Daraus folgt der Vorwurf, Ballay habe ein Fleischpaket an der Kasse vorbei schmuggeln wollen, um so rund 40 Euro "zu sparen".
Offenbar hatte die angebliche "Kampagne", mit welchem Ziel?, wenig Erfolg. Denn Ballay erzielte unter anderem bei der Wahl zum Kreistag 2089 Stimmen -- deutlich mehr als andere Bewerber.
Die AfD nutzt den LZ-Artikel auf gewohnte Weise, sie sieht sich in einer Opferrolle. Ballays Parteifreund, der stellvertretende Landesvorsitzende und Kreischef Stephan Bothe, holt wie gewohnt die große Keule raus und spricht von einer "linken Hetzkampagne", er stehe "zu 100 Prozent hinter Kevin Ballay". Die Presse wolle der Partei schaden.
Das Kalkül geht auf, denn in Kommentaren im Netz findet sich unter AfD-Anhängern eben diese Sicht. Dabei gerät aus dem Blick: Ballay selbst räumt sein Fehlverhalten ein, er betont, dass er die Gebühr von 100 Euro im Supermarkt freiwillig bezahlt habe, weil es nicht in Ordnung gewesen sei.
Bleibt die Frage, ob die AfD und ihre Anhänger einen mutmaßlichen Ladendiebstahl auch in anderen Fällen so milde betrachten würden. Wahrscheinlich nicht. Carlo Eggeling
Der Bon belegt, dass Ballay die Gebühr von 100 Euro bezahlt hat. Er stellt ihn selbst zur Verfügung
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