Stadt beruhigt den Verkehr mit neuer Spielart
von Carlo Eggeling am 18.09.2026Das Wasserviertel ist verkehrsberuhigter als vor zwei Jahren. Einbahnstraßenregeln verändert, Parkplätze gestrichen, Ladezonen eingerichtet. Aus Sicht von Mobilitätsplanern müsste alles schön sein -- wie so oft kommt die Wirklichkeit dazwischen. Auf dem Kauf hat die Stadt nun fünf rot-weiß geringelte Pflöcke gesetzt, dazu ein paar Streifen aufs Pflaster gemalt. Warum?
Die Pressestelle antwortet: "Die Poller sind so aufgestellt mit den entsprechenden Abständen, damit künftig bei einer Sperrung der Straße für den unzulässigen Verkehr eine Umfahrung der Anlage nicht möglich ist."
In der Antwort liegt, wenn man so will, die Erklärung, dass es eben nicht so rollt, wie es sich der im Frühjahr gegangene Mobilitätsexperte Bastian Hagmaier und seine Kollegen in ihrem großen Wurf gedacht haben. Denn mehrere Anwohner berichten, dass Auf dem Kauf Müllwagen und Lkw über den Gehweg auf der Seite Richtung Wasserviertel über den Fußweg fahren. Die Folge: zerdrückte Platten, auch den Häuser soll diese Form des Nahverkehrs nicht gut tun. Nun also ein Linienspiel und Pflöcke, um für Ordnung zu sorgen.
Es ist nicht die einzige Erfahrung der Geschäftsleute und Wirte in der neuen Banalität der Mobilität. Die Fachleute für ruhenden Verkehr haben Ladezonen ausgewiesen. Die liegen zumeist deutlich von den Läden entfernt. Das bedeutet, dass Lieferanten und die Unternehmer selbst Waren über Dutzende Meter schleppen müssen. Das mag eine gewissen Aspekt gesundheitlicher Fürsorge der kommunalen Planung beinhalten -- Muskeltraining. Doch einige halten wenig von der Leibesertüchtigung, sie halten für Be- und Entladen ihrer Wagen nahe des Ziels.
Das wird im Zweifel teuer. Denn die Augen des Ordnungsamtes sollen im gesamten Wasserviertel zumeist eher selten zugedrückt werden. Ticket. Ein Unternehmer sagte mir, er habe in den vergangenen Monaten mehrere Hundert Euro zahlen müssen. Niemand habe Interesse, lange vor seinem Laden zu stehen, vor allem, wenn er auf Außengastronomie angewiesen ist. Auffällig finden Anlieger, dass Betreiber eines Lokals die Plätze fürs Anliefern mit ihrem Anwohnerparkschein Auf dem Kauf sehr lange nutzen, nach ihrem Eindruck ohne Konsequenzen.
In diesem Bereich dürfte nun einiges besser werden. Rot-weißes Geringel und schräge Striche wirken regulierend. Vielleicht kann die Stadt das Konzept ausweiten, um auch soziale Probleme im Viertel auf den rechten Weg zu bringen. Pflöcke und Striche als Botschaft vor Kiosken. Welche? Das müsste noch definiert werden. Carlo Eggeling
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