Szene zieht um — Kameras sollen trotzdem kommen
von Carlo Eggeling am 01.07.2026Der Schwarzhandel ist weitergezogen, Dealer und Kunden treffen sich eher auf den Stufen der Abtsmühle als am alten Karstadt-Parkhaus. Trotzdem setzen Polizei und Stadt weiter darauf, im Bereich Münzstraße/ Auf dem Wüsten Ort Kameras zu installiern. Schilder sollen aufgehängt werden, welche auf die Videoaufzeichunungen aufmerksam machen. Wann die Technik in Betrieb geht, steht noch nicht fest. Rechtliche Fragen sind zu klären. Lüneburg Polizeichefin, Stefanie Lerche, und Oliver Suckow, nahmen Stellung im Ausschuss für Gefahren Abwehr. Als Leiter Einsatz ist er -- einfach gesagt -- für die uniformierten Kräfte zuständig.
Die Beamten gaben einen Bericht zur Sicherheitslage in der Innenstadt ab. Die Leitende Polizeidirektorin wies darauf hin, dass sich der subjektive Eindruck von der tatsächlichen Lage unterscheidet. So sei die Lage am Sand in den vergangenen zweieinhalb Jahren halbwegs konstant geblieben, eher rückläufig nach dem seit Monatsbeginn geltenden Alkoholverbot. Im Durchschnitt verzeichne man 1,3 Einsätze pro Tag dort, dazu Diebstahl, Bedrohung, Betrug und Körperverletzung in unterschiedlich starker Ausprägung.
Wie bundesweit steige der Konsum von Drogen wie Crack, Marihuana, Kokain sowie berauschenden Medikamenten. Bei Haschisch und Marihuana stelle man fest, dass die Mengen, die man bei Überprüfungen finde, oftmals in im erlaubten Rahmen seien. Die Klientel habe auf die Lockerungen durch das Cannabis-Gesetz reagiert.
Polizei braucht Erfolge, und auch wenn sie als solche unpolitisch ist, agiert sie in politischen Zusammenhängen. Lokale Politik und Stadtverwaltung betonen gern, dass die Beamten mehr tun müssten und versuchen so, einen Teil der eigenen Verantwortung in Richtung Auf der Hude zu schieben. Sicherheit steht mehr im Fokus, als das, was das Rathaus in Sachen Ordnungsrecht und Sozialarbeit anpacken.
Nun sitzt dort inzwischen eine Polizeipräsidentin, die aus Hamburg kommt und das Spiel gut kennt. Kathrin Schuol und ihr neuer Vize Jörg Wesemann aus Rotenburg sollen im engen Austauch mit der Inspektion, also Stefanie Lerche, stehen. Die Polizei hat ihre Kontrollen hochgefahren, zieht Kollegen der Bereitschaftspolizei aus dem Lüneburg dazu, hat die Kontaktbeamten aufgestockt und nah einer längeren Irgendwie-keiner-da-Phase anders in die Organisation eingebunden.
Vor allem aber steht das, was die Polizei schon seit langem macht, viel öfter im täglich erscheinenden Polizeibericht: eben die Kontrollen und Kleinerfolge. Auch Durchsuchungen, die es nahezu täglich in Stadt und Kreis gibt, finden sich öfter im Report. Und dass bei größeren Aufschlägen im Drogenmilieu etwa am Weißen Turm zufällig ein Reporter herumsteht, hat sicher etwas damit zu tun, dass die Polizeiführung weiß, wie man den Kritikern gibt, was sie wollen, ihnen zudem so Wind aus den Segeln nimmt. Denn auch wenn den Beamten nun ein paar Zugriffe im unteren Geschoss der mittleren Etage im der Drogen-Unternehmen gelangen, der Nachschub läuft, Hintermänner machen weiter.
Nun also die Videoüberwachung an einer Stelle, wo sie aktuell kaum gebraucht wird. Ihr Wert ist überschaubar. Die Kameras am alten Karstadt-Parkhaus zeichnen auf, denn es sitzt nicht ständig jemand an einem Monitor, um das Geschehen -- oder Nicht-Geschehen -- zu verfolgen. Die Aufnahmen können im Nachhinein helfen, Vergehen zu dokumentieren und die Chancen bei der Fahndung erhöhen. Und sie wirken abschreckend.
Im Reich der Polizeidirektion mit ihren acht Landkreisen wird diese Technik nur noch in Winsen/Luhe eingesetzt, um den Bahnhof im Blick zu haben. Polizeiintern gehen die Meinungen zu den Aufzeichnungen auseinander. Praktiker wissen: Ist ein Objektiv auf die Straße gerichtet, zieht die Karawane weiter. Andere meinen: Wir zeigen, dass wir da sind, das beruhigt. Politik und Bürger. Vor allem, wenn im Herbst Wahlen anstehen.
Selbstverständlich betonten die Polizisten im Ausschuss, man arbeite gut mit kommunalem Ordnungsdienst und Sozialarbeit zusammen. Auch wenn aus dem Wasserviertel eher die Rückmeldung kommt, vom Kommunalen Ordnungsdienst sehe man wenig. Auf den Fenstersimsen des Spätis und auf den Treppen des ehemaligen Mama Rosa treffen sich einige, die nicht gerade stocknüchtern wirken. Eine Nachbarin berichtet, dass dort offen gedealt und konsumiert werde.
Die Stadt handelt auch. Dezernent Markus Moßmann kündigte im Ausschuss an, das Grün an der Ilmenaustraße werde wieder gestutzt, um es der Szene ungemütlich zu machen. Die hatte die Büsche als Rückzugsort und als "Bunker" für Stoff genutzt. Klar war dabei, es geht ums Verdrängen. Ein Teil der Sand-Trinker ist umgezogen in Parks und zum Reichenbachplatz mit seiner öffentlichen Toilette.
Kein Wort gab es zum Stand des Szene-Treffs an der Schießgrabenstraße, der zum Anlaufpunkt der Drogen- und Trinker-Gruppen werden soll. Wann ist offen, an einem Konzept arbeitet die Verwaltung noch.
Noch einmal die Kameras. Wenn die ungewollte Gesellschaft umzieht, könne schnell die Idee aufkommen, wieder Kameras einzusetzen, weil sie ja hilfreich waren, erzählt man sich unter Uniformmützen. Ein Modell. Bäumchen wechsel Dich. Carlo Eggeling
Kommentare
Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.
_Mai23.jpg)
_Banner_Winsen_und_Lueneburg_Aktuell_Hausverwaltung__.jpg)
_ubiMaster1.jpg)
_wernieNovember2.jpg)