Tafel bleibt, Fundus schließt
von Carlo Eggeling am 07.07.2026Die gute Nachricht zuerst: Die Ausgabe der Tafel in Dahlenburg bleibt bestehen, auch wenn das Sozial-Kaufhaus Fundus zum Jahresende schließt. Tafel-Vorstand Wilfried Gericke sagt: "Wir haben einen unabhängigen, eigenen Mietvertrag im Gebäude. Daher sind wir nicht betroffen." Doch nun ist endgültig, was LA bereits gestern berichtet hat: Das Fundus muss nach fast zwei Jahrzehnten an der Lüneburger Straße seine Türen schließen.
In Kurzform: Wirtschaftliche Gründe zwingen die Gesellschaft Job.sozial und ihre beiden Träger, Awo und Lebensraum Diakonie, zu diesem Schritt. Fördermittel im sozialen Bereich würden gekürzt, zudem gebe es weniger Spenden, sagt Awo-Geschäftsführer Günter Wernecke. Man komme um den "schmerzhaften Schritt" nicht herum: "Wir wissen, wie groß die Bedeutung des Fundus für Dahlenburg ist."
Auf rund 600 Quadratmeter Fläche gibt es Kleidung, Möbel und Haushaltswaren, die gespendet werden. Doch das Aufkommen gehe zurück und damit auch die wirtschaftlichen Erlöse. Neben sieben Arbeitsgelegenheiten für Langzeitarbeitslose gebe es sieben weitere Stellen, sagt der Awo-Chef, einen Mini-Job für die Reinigung, vier befristete Arbeitsplätze, die in den kommenden Monaten auslaufen und zwei hauptamtliche Stellen. Den beiden Kollegen werde betriebsbedingt gekündigt, weil die Gesellschaft Job.sozial aufgelöst werde.
In Lüneburg betreibt Job.sozial das Zeughaus an der Katzenstraße, das wolle man erhalten und in die Awo integrieren. Allerdings steht das unter Vorbehalt: Das JobCenter muss den Plänen zustimmen und Zuschüsse gewähren. Wernecke: "Ich bin optimistisch."
Noch einmal zur Tafel. Die Ausgabe laufe gut, sagt Vorstand Gericke. Rund 100 Klienten seien aus dem Bereich Dahlenburg angemeldet, um die 60 kommen dienstags zur Ausgabe. Der Andrang sei so groß, dass man überlege, zusätzliche Räume anzumieten und einen weiteren Tag zu öffnen. Dazu brauche es genug Lebensmittel. Derzeit würden mehrere Supermärkte und ein Bauer Waren spenden. Kämen mehr Kunden, brauche die Tafel mehr Lebensmittel.
Für Samstag, 11. Juli, 12 Uhr ist eine Demonstration geplant. Treffpunkt ist die Raiffeisen-Niederlassung. Im Anschluss seien Haustürbesuche geplant, heißt es in einer Einladung. Carlo Eggeling
Der Lebensraum Diakonie und die AWOCADO Service gGmbH werden ihre gemeinsame Arbeit in der job.sozial GbR zum 31.12.2026 einstellen.
Ursprünglich gegründet für die Vermittlung und Koordination von Arbeitsgelegenheiten hat die job.sozial GbR in über 20 Jahren zahlreiche Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekte für Arbeitsuchende durchgeführt. In Spitzenzeiten organisierten bis zu 120 hauptamtlich Beschäftigte, gefördert über das Jobcenter und den Europäischen Sozialfond, Werkstattprojekte, drei Sozialkaufhäuser, die Bootsbauprojekte „Salzewer“ und „Prahm“ sowie spezielle kreative Angebote wie z.B. ein Bauernhof-, ein Theater-, und ein Zeitungsprojekt.
Im Zuge von Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand und einem sich wandelnden Arbeitsmarkt verkleinerte sich das Aufgabenfeld für die job.sozial GbR deutlich, zuletzt musste auch die Jugendwerkstatt geschlossen werden.
Aktuell betreibt die job.sozial GbR noch die Sozialkaufhäuser ZEUGHAUS in Lüneburg und FUNDUS in Dahlenburg. In beiden Einrichtungen werden im Auftrag des Jobcenters auch Plätze für Arbeitsgelegenheiten vorgehalten. Diese dienen der Wiederherstellung von Beschäftigungsfähigkeit und sozialer Teilhabe.
Die AWOCADO Service gGmbH plant die Fortführung des Betriebes des ZEUGHAUS ab dem 01.01.2027 unter dem Dach der AWO. Über die Förderung der Arbeitsgelegenheiten entscheidet das Jobcenter jährlich neu, maßgeblich abhängig von zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln und dem eingeschätzten Bedarf an Einsatzstellen.
Für das FUNDUS in Dahlenburg sehen die Gesellschafter aus strukturellen wirtschaftlichen Gründen keine positive Fortführungsprognose und werden das FUNDUS daher zum Jahresende schließen.
Wir (Tanja Mainz als Vorstandsvorsitzende des Lebensraum Diakonie und AWO-Geschäftsführer Günter Wernecke) bedauern sehr, diesen Schritt gehen zu müssen. Wir sind vor knapp 20 Jahren mit offenen Armen in Dahlenburg empfangen worden, das FUNDUS ist fester Bestandteil des Lebens in der (Samt-)gemeinde. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die Teilnehmenden in den Arbeitsgelegenheiten und Freiwillige haben sich mit Herz und großem Engagement für das FUNDUS eingesetzt. Nur aus diesen Gründen haben wir trotz der schon länger andauernden wirtschaftlichen Schwierigkeiten bis hierhin am Betrieb des FUNDUS festgehalten.
Zu den Hintergründen - das FUNDUS ist ursprünglich mit bis zu 46 Teilnahmeplätzen für Arbeitsgelegenheiten gestartet. Zunächst im Zuge von Sparmaßnahmen im Bundeshaushalt, später auch aufgrund eines sich wandelnden Arbeitsmarktes mussten die Plätze nach und nach bis auf aktuell 7 Plätze reduziert werden, entsprechend reduzierte sich auch der Umfang an hauptamtlicher Anleitung.
Organisatorisch muss eine sehr große Fläche mit wenig hauptamtlichen Kräften bespielt werden, zudem konnten aus personellen Gründen Abteilungen wie Möbelabgabe und Haushaltsauflösungen nicht mehr bedient werden.
Konzeptionell und organisatorisch hat sich das FUNDUS fortlaufend mit äußerst knappen Ressourcen an veränderte Gegebenheiten angepasst.
Seit einiger Zeit ist jedoch zudem ein erheblicher Rückgang in den Spendenerlösen aus der Abgabe der Gebrauchtwaren zu verzeichnen. Diese Entwicklung wird bundesweit in vielen Sozialkaufhäusern beobachtet.
In den vergangenen Jahren haben wir wiederkehrend mit Vertreterinnen und Vertretern aus verschiedenen Ebenen von Politik und Verwaltung über die Situation im FUNDUS gesprochen, um mögliche Perspektiven auszuloten. Hierbei haben wir inhaltlichen Zuspruch erfahren, eine wirtschaftlich tragfähige Lösung konnte nicht gefunden werden.
Darüber hinaus sehen sich AWO und Diakonie mit politischen Planungen zu klarem Sozialabbau konfrontiert. Angebote wie die Sozialberatung oder die Migrationsberatung, in denen jedes Jahr tausende von Beratungen für Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Landkreis Lüneburg durchgeführt werden, sind schon jetzt deutlich unterfinanziert, weitere Kürzungen sollen folgen. Angedachte Kürzungen in der Jugendhilfe, der Eingliederungshilfe, der Schulbegleitung, der Assistenzdienste für Menschen mit Behinderungen und der Altenhilfe werfen für die Wohlfahrtsverbände existenzielle Fragen auf und verengen die Handlungsspielräume. Die Folgen des Sozialabbaus werden zuerst in den Kommunen sichtbar.
Kommentare
Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.
_Banner_Winsen_und_Lueneburg_Aktuell_Hausverwaltung__.jpg)
_Mai23.jpg)
_wernieNovember2.jpg)
_ubiMaster1.jpg)