Lüneburg, am Samstag den 25.07.2026

Tierschicksal der Woche — Heldinnenhaft eingegriffen

von Carlo Eggeling am 25.07.2026


Meine Woche

Tierschicksal der Woche


Das Tierschicksal der Woche rührt. Ein Paar in der Obdachlosenunterkunft soll seinen Hund abgeben, sonst droht der Rauswurf. Drei Jahre gemeinsam in der Herberge, ergibt sich da nicht ein Gewohnheitsrecht? Dann schaltet sich erst die Zeitung, dann die Oberbürgermeisterin ein, Benny samt Frauchen und Herrchen dürfen bleiben. Das geht tierisch nahe. Denken Sie weiter, Wuffi wäre sonst in der nächsten Obdachlosenunterkunft gelandet, im Tierheim. Gut, dass im OB-Büro ein warmes Herz schlägt. Ein Herz für Tiere.



Oder für die beiden Menschen, die laut Zeitung seit drei Jahren auf acht Quadratmetern im ehemaligen Zuchthaus am Kalkberg leben. So wie Benny sind die beiden Zweibeiner dem Sozialressort scheinbar durchgegangen, denn so lange sollte niemand in der sogenannten Gefahrenabwehr zu Hause sein Drei Jahre, acht Quadratmeter, Bad und Küche teilen sie sich mit anderen. Doch der arme Hund des Trios heißt Benny.



Aller Ehren wert, dass Claudia Kalisch ein "Machtwort" gesprochen hat. Darunter geht es nicht. Als heldinnenhaftes Echo hallt nach: Die Untergebenen können die Lage nicht beurteilen; Euer Majestät muss ran. Sage ich nur, weil ihr Vorgänger König Uli genannt wurde, Ältere erinnern sich.



Ob sich Frau Kalisch gewohnheitsmäßig wieder "vor meine Mitarbeiter" stellt, wenn jemand aus dem Rat mal nachfragt und sie meint? Es ist wirklich vertrackt. Wie du's machst, machst es....


Flankierend besetzt die PR-Abteilung im Verwaltungssitz die Stadtmauern. Das Netz ist so gemein, daher erklärt die Schutz-Truppe bei Facebook die Regeln: In kommunalen Unterkünften dürften im Prinzip keine Tiere gehalten werden, Ausnahme seien medizinische Gründe.



Die Herberge ist streng genommen jedoch keine städtische Unterkunft, denn die Stadt hat den Lebensraum Diakonie beauftragt, Menschen unterzubringen. Das heißt also: Die Herberge besitzt das Hausrecht, in das die Stadt plötzlich eingreift. Plötzlich. Wer sich mit Bewohnern unterhält, weiß, es tapsen seit Jahren Vierbeiner durch die Unterkunft. So what?


Der Blätterwald raschelt passend dazu. "Die Verwaltungschefin sah sich nach zahlreichen Erwähnungen auf Social Media zum Handeln gezwungen", heißt es im Artikel meines Kollegen Jan Beckmann in der LZ. Social media. Dass sie das mitbekommen hat, erstaunt zutiefst. Mir hat Claudia Kalisch nämlich gerade erst auf eine persönliche Anfrage geschrieben: "Ich verfolge keine Social Media-Aktivitäten oder Internet-Blogs verschiedener Akteure. Bei vermeintlich falschen Aussagen oder Hetze werde ich in meiner Funktion als Oberbürgermeisterin aus meinem Haus im Einzelfall informiert." Mit Hetze oder falschen Aussagen hatte das Ganze nichts zu tun. Wahrscheinlich guckt sie auch nie in ihren aus Steuergeld finanziertem Kanal ob_kalisch bei Facebook, der uns am vielfältigen Leben Frau Kalischs teilhaben lässt. Das Leben kann so widersprüchlich sein.



Politik ist tierisch herzlich. Heiko Meyer, auch OB-Kandidat mischte sich daher ebenfalls ein. Klar, das erzeugte Druck. Heiko zeigt‘s der Claudi mal. 123 000mal sei sein Beitrag angeklickt worden, hat er mir erzählt.


Der angebliche Verlierer steht fest. Thorben Peters. Der ist Landeschef der Linken, OB-Bewerber und zudem -- das liegt nun nahe -- Chef der tierfeindlichen Herberge. So sind die Sozialisten. Da wissen wir, was uns droht.



LZ-Beckmann erkennt einen "cleveren Schachzug" der grünen Politikerin, sie treffe Peters. Claudi grandios. Im Ernst? Womit? Für unklare Regeln in städtischen Unterkünften für ein Gebaren, dass seit Jahren geduldet und praktiziert wird? Peters, der alles nicht kommentieren will, sagt lediglich, er freue sich über die Lösung. So ich weiß, hat er schon mal Hunde gestreichelt. Als Sozialist. Können Sie sich das vorstellen?



Weil ich aus grüner und anderer Sicht stets Kalisch-Bashing betreibe, füge ich einen alten Witz meines verstorbenen Freundes Wolfgang an, auf dessen Speisekarte stand: Tierschicksal der Woche halbes Hähnchen 3,95. Ist lange her, bitte keine Preisdebatte. Ansonsten bitte dran denken, ich bin auch ein armer Hund.


Das nächste Schicksal der Woche. Beim Treff für die berauschte Szene, welche weitblickende Verwaltung und Politik vom Sand an andere Orte verstreut hat, sollen Räume an der Schießgrabenstraße einen Anlaufpunkt bieten. Das Haus ist gemietet, steht seit einem halben Jahr leer. Was Sozialdezernentin Gabriele Scholz vorschlug, fiel im Sozialausschuss zusammen. Inhaltlich und finanziell. Und überhaupt.



Nun übernimmt der Landkreis und hilft der Stadt aus der Klemme. Ich habe mir erklären lassen, das Etablissement für Mühselige und Beladene gehe nur als Tagestreff für Wohnungslose. Das ist bedauerlicherweise nicht das sozialromantische Trampolin aus der Sucht zurück ins bürgerliche Leben, das mal an den rosaroten Himmel gemalt wurde. Denn nur für diese Bestimmung zahlt das Land 90 Prozent der Kosten. Wie schön in einer Stadt, deren Haushalt schwarz-finster in die Tiefe reicht wie der Marianengraben. Bei einem schwarzen Finanzminister. Egal. Spaß muss sein.


Der Landkreis antwortet auf meine Anfrage so: "Die Vertragsverhandlungen für den Tagesaufenthalt wurden vom Land Niedersachsen auf den Landkreis übertragen. Die Umsetzung erfolgt nun in enger Abstimmung mit dem Land. Dabei sind unter anderem Anforderungen wie die Sicherstellung eines barrierefreien Zugangs zu berücksichtigen."



War nur ein Versehen, dass man im Scholz‘schem Sozialressort die Treppe übersehen hatte. Wahrscheinlich durften Journalisten deshalb bei einem Ortstermin nicht mit ins Haus. Presse als Behinderung oder umgekehrt oder so ähnlich. Das war ungemein fürsorglich von Sozialdezernentin und Pressesprecherin, die für den Ausschluss der Öffentlichkeit keinen Paragrafen nennen konnten außer "Wir wollen das nicht."


Den Betrieb soll ein Träger übernehmen. Der Landkreis weiter: "Zur Auswahl eines Trägers wird ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren durchgeführt. Die hierfür erforderliche Leistungsbeschreibung wird derzeit erarbeitet." Klar, man rede mit der Stadt. Spielt die eine Rolle? Wer zahlt, bestellt die Musik.


Im Kreishaus arbeiten an leitender Stelle ehemalige Kollegen aus dem Rathaus, denen man dort einen Karrieresprung nicht gönnte. Ist total gemein, nur daran zu denken, dass die Worte der Macht in Richtung Rathaus senden.


Es ist Sommer und Wochenende, bleiben wir heiter. Entweder kommt Mario Barth vorbei, wie bei den 150.000-Euro-Leuchttafeln, die an der Schießgraben-Kreuzung anzeigen, was bereits die Ampel klar macht: anhalten oder fahren. Wenn der das nicht aufgreift, wäre der Bund der Steuerzahler wohl interessiert.


Wer positiv denkt, erkennt sofort: Stadtmarketing. Lüneburg könnte bundesweit was hermachen, ohne teure Anzeigenkampagne. Das Motto leuchtet mit dem Satz des Schauspielers Peter Ustinov: "Planung bedeutet, den Zufall durch den Irrtum zu ersetzen." Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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