Lüneburg, am Dienstag den 20.10.2026

Triebgesteuert — Prostitution wächst

von Carlo Eggeling am 20.10.2026



Auch das angeblich älteste Gewerbe der Welt ist ein Fall für die Bürokratie, Ende vergangenen Jahres "verfügten in Niedersachsen 2.827 Personen über eine gültige Anmeldebescheinigung gemäß Prostituiertenschutzgesetz. Damit stieg die Zahl der angemeldeten Prostituierten gegenüber dem Vorjahr um 6,4 Prozent". Das Landesamt für Statistk weiß zudem: "Die Zahl der angemeldeten Prostituierten und der Prostitutionsgewerbe in Niedersachsen hat sich in den vergangenen Jahren weiter erhöht und nähert sich wieder den vor der Corona-Pandemie beobachteten Werten an."

Wie sieht es in Stadt und Landkreis aus? Die Frauen und Männer, die ihre Dienstleistung anbieten, müssen sich beim Landkreis anmelden. Zahlen teilt man Auf dem Michaeliskloster nicht mit -- Datenschutz. Doch wären die laut eines Sprechers auch wenig aussagekräftig: "Eine Anmeldung gilt für zwei Jahre, doch die Personen sind mobil. Sie sind meistens nur kurze Zeit hier und reisen dann weiter." Es klingt unangenehm, aber in der Branche gilt: Kunden wollen Abwechslung, daher gibt es einen "Austausch" zwischen Lüneburg, Lüdenscheid und Ludwigsburg.

Klar ist, das Zahlenwerk spiegelt nicht die gesamte Realität wider. Bundesweit zählen Behörden 32 000 Prostituierte, doch Schätzungen -- und die variieren -- gehen von rund 200 000 Frauen und Männern aus, die Sexarbeit anbieten. In Großstädten wie Hamburg hat die Reeperbahn nebst Herbertstraße den Ruf als "sündige Meile", in Lüneburg liegen Bordelle an den Sülzwiesen. "Außenstellen" wie die Eve-Bar in Adendorf oder der Straßenstrich Vor dem Neuen Tore sind lange verschwunden.

Seit langem läuft das Geschäft auch in Wohnungen in der Region. Die Polizei weiß von "verschiedenen Angeboten", etwa in Lüneburg, Embsen und Adendorf. Bei Kontrollen gebe es nichts rechtlich Auffälliges, heißt es aus dem zuständige Fachkommissariat. Allerdings ist den Beamten natürlich bewusst: "Da läuft vieles unter dem Radar."

Das ist schnell klar, wenn man im Internet nach entsprechenden Angeboten sucht, diverse Portale präsentieren "Sexkontakte" jeglicher Spielart. Ob alle, die sich anbieten, das freiwillig tun, ist mehr als fraglich. Angeblich, so erzählen es Anlieger, werden Wohnungen von Männern aus dem Rockermilieu betreut. Aus der Vergangenheit sind "Revierkämpfe" bekannt, wer wo welche Frauen unterbringen kann.

Anders als in umliegenden Regionen wie dem Heidekreis in Richtung Soltau, der Bundesstraße zwischen Uelzen und Gifhorn sowie bei Celle, stehen hier keine Wohnwagen mit roten Laternen am Straßenrand. Das "Geschäft" läuft hier anders.

Es ist ein Geschäft, das viel mit Zuwanderung zu tun hat. Aus den vorliegenden Zahlen hat das Landesamt für Statistik errechnet, woher die Personen, meistens Frauen, stammen:
"Von den Prostituierten waren 94 Personen zwischen 18 und 20 Jahren alt (+2,2%), 1.951 Personen gehörten der Altersgruppe von 21 bis 44 Jahren an (+2,8%) und 782 Personen waren 45 Jahre oder älter (+17,1%). Seit 2021 ist in allen Altersgruppen ein kontinuierlicher Anstieg der gültigen Anmeldebescheinigungen zu beobachten.

Die Mehrheit der angemeldeten Prostituierten besaß keine deutsche Staatsangehörigkeit. Von den 2.436 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit stammten 2.203 aus europäischen Staaten. Damit stellten europäische Staatsangehörige (ohne deutsche Staatsangehörige) mit einem Anteil von 77,9% an allen angemeldeten Prostituierten erneut die größte Gruppe in Niedersachsen. Am häufigsten waren rumänische (839 Personen), bulgarische (500 Personen) und ungarische (248 Personen) Staatsangehörige vertreten.

Bei den Erlaubnissen für ein Prostitutionsgewerbe handelte es sich wie bereits in den Vorjahren überwiegend um Prostitutionsstätten beziehungsweise Bordelle (275). Darüber hinaus wurden 23 Erlaubnisse für Prostitutionsfahrzeuge sowie 6 Erlaubnisse für Prostitutionsvermittlungen erfasst." Carlo

© Fotos: ca Symbolbild


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