Untersuchungsausschuss für die Bardowicker Samba-Affäre
von Carlo Eggeling am 10.07.2026Mit einer Art Untersuchungsausschuss will die Bardowicker Politik Licht in die Samba-Affäre bringen. Am Montag tagt der Samtgemeindeausschuss. Dort werde man voraussichtlich sechs Personen benennen, die Unterlagen der gemeindeeigenen Gesellschaft SambaBau sichten und Fragen nachgehen, die sich rund um einen Mitarbeiterkredit in Höhe von 150 000 Euro ranken. Das berichtet Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann auf Anfrage. Er schlage vor, dass niemand aus diesem Gremium dem Aufsichtsrat der SambaBau angehören solle -- sonst kontrolliere man sich im Fall der Fälle selber. Die Zahl sechs erkläre sich aus den drei politischen Lagern im Rat, jede Gruppierung solle zwei Vertreter schicken.
Wie berichtet, steht Luhmann im Mittelpunkt der zweifelhaften Umstände um das Darlehen. Er selber räumt den juristischen Tatbestand der Untreue ein: "Dafür übernehme ich die Verantwortung." Er hatte einem Mitarbeiter aus eigenem Gusto einen Kredit gewährt, ohne Absprache und entgegen des Satzungszweckes der Gesellschaft, die soll sich um Immobiliengeschäfte kümmern.
Was länger klar war, ist nun offiziell: Die Staatsanwaltschaft Lüneburg führt von Amtswegen ein Ermittlungsverfahren gegen Luhmann. Strafprozessuale Maßnahmen wie Durchsuchungen habe es nicht gegeben, bestätigt Sprecherin Annika Prenzlow.
Wie üblich hat die Anklagebehörde die Polizeiinspektion Lüneburg mit den Ermittlungen beauftragt, dort übernimmt das Kommissariat für Wirtschaftsdelikte den Fall. Luhmann sagt, die Polizei habe mit ihm Kontakt aufgenommen, er solle sich bis zum 20. Juli äußern oder mitteilen, ob er sich anwaltlich vertreten lasse.
"Mein Anwalt ist im Urlaub, der kommt Montag zurück, dann besprechen wir das", sagt der Bürgermeister. Weiteres Thema sind die Nachfragen der beim Landkreis angesiedelten Kommunalaufsicht. Aus dem Kreishaus heißt es, man habe Luhmann aufgefordert, bis zum 17. Juli Stellung zu beziehen. Der sagt: "Mir liegt der Fragenkatalog der Gruppe SPD, Unabhängige und Volt zwar nicht vor, aber die Fragen der Kommunalaufsicht scheinen in diese Richtung zu gehen."
Für die Gruppe SPD, Unabhängige und Volt hatte der Radbrucher Ratsherr Achim Gründel die Causa ausgeleuchtet und im Rat zum Thema gemacht. Dort wollte man das Ganze zunächst zur Seite schieben, der Kredit sei nebst Zinsen zurückgezahlt, Luhmann trete bei der Kommunalwahl nicht mehr an, man solle ihn als Geschäftsführer der SambaBau entlasten. Doch daraus wurde nichts.
Die Grünen im Rat erklären nun, sie hätten den Umfang der Verfehlungen nicht gekannt. Das klingt in Wahlkampfzeiten nach Verteidigung und ein bisschen müde. Denn sie hätten wie Gründel schlicht Unterlagen auswerten können -- die Grünen sind im Aufsichtsrat der SambaBau vertreten, wie auch andere Parteien.
Es gibt viele Fragezeichen in der Angelegenheit. Grundlage ist der Bericht Gründels, der in Bardowick kursiert: Der betreffende Mitarbeiter, der aus der Baubranche kommt, hatte einen Zehn-Stunden-Vertrag pro Woche nebst Dienstwagen erhalten. Er wollte in Wittorf ein Gebäude an die Samtgemeinde verkaufen, das zuvor niemand für eine Millionensumme haben wollte. Luhmann riet zum Kauf, doch am Ende lehnte der Rat ab. Es folgte der Kredit über 150 000 Euro zu marktüblichen Zinsen. Allerdings wohl ohne Sicherheiten. Das mag erklären, warum der Betreffende nicht zu einer Bank gegangen ist.
Ist all das schon schwer mit einer üblichen Haushaltsführung zu erklären, kommt ein weiterer Aspekt dazu: Die SambaBau hatte lediglich 4000 Euro auf dem Konto. Luhmann wandte sich daher an seinen Kollegen Steffen Gärtner in Reppenstedt. Mit den Gellersenern betreiben die Bardowicker eine Breitbandgesellschaft. Die ist gut gepolstert. Unter Kommunen ist es üblich, sich gegenseitig auszuhelfen. So schloss schloss einen Vertrag über einen Kreditrahmen von 1,1 Millionen Euro, den die SambaBau -- das ist entscheidend -- für Grundstücksangelegenheiten nutzen durfte. Unterschrieben ist der Kontrakt von Gärtner und Luhmann.
Gärtner sagt, einfach zusammengefasst, was die SambaBau mit dem Geld angefangen habe, habe er bis zum Hochploppen der Affäre nicht gewusst. Er habe keinen Einblick in deren Geschäfte. Das bestätigt Luhmann, er habe bei der SambaBau alleine gehandelt, die 150 000 Euro als Kredit bewilligt -- eben am Satzungszweck vorbei: "Dafür bin ich allein verantwortlich, Steffen Gärtner wusste nichts davon."
All das ist insofern wichtig, weil Gärtner für die CDU Landrat werden will. Selbstverständlich schauen politische Gegner, ob sie in der Samba-Affäre bei ihm eine offene Flanke finden können. Gärtner weist jeden Verdacht zurück. Er setze auf Transparenz, der Aufsichtsrat der Breitbandgesellschaft solle alle Unterlagen prüfen, dann gehe man an die Öffentlichkeit.
Luhmann sagt, er räume grundsätzlich den Vorwurf der Untreue ein, allerdings seien "abenteuerliche Geschichten" unterwegs. So soll es angeblich einen Anruf aus dem Bardowicker Rathaus gegeben haben, nach dem die Bank des betroffenen Mitarbeiters den Kredit nebst Zinsen zurücküberwiesen habe. So handle keine Bank, die Vorwürfe seien so nicht zutreffend, sagt der Verwaltungschef, der seit 15 Jahren in Bardowick regiert.
Seinen Posten wolle er bis Ende seiner regulären Amtszeit behalten: "Ich sehe keinen Anlass, das Amt ruhen zu lassen." Er habe bis auf die aktuellen Vorwürfe viele positive Dinge erreicht und seine Arbeit erledigt. Das wolle er weiterhin. Carlo Eggeling
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