Lüneburg, am Dienstag den 23.06.2026

„Unwissenheit schützt vor Torheit nicht!“ – Kreiselternrat kritisiert Scheinabstimmung im Kreis

von Marco Sievers am 23.06.2026


„Unwissenheit schützt vor Torheit nicht!“ – Kreiselternrat kritisiert Scheinabstimmung im Kreistag

Parteienschelte übt der Lüneburger Kreiselternrat an den Kreistagsfraktionen und -gruppen von CDU, SPD, FDP/Die Unabhängigen und Die Linke/Die Partei. Diese hatten im Schulausschuss jüngst beschlossen, das Vorhaben der Hanseschule Oedeme zu unterstützen, sich als „sportfreundliche Schule“ mit einem besonderen Sportprofil zu etablieren. Am Donnerstag (25.06.2026) soll der Lüneburger Kreistag entscheiden. „Beim Ziel sind wir uns einig“, sagt Kreiselternratsvorsitzender Marco Sievers. „Aber der eingeschlagene Weg ist der völlig falsche!“

Sievers hatte schon in den letzten beiden Schulausschusssitzungen gegen diesen Antrag protestiert. Politische Parteien hätten nicht über Schulprofile abzustimmen – das sei nicht Aufgabe der Kommunalpolitik und eine inakzeptable Einmischung in die Schulautonomie, argumentiert der Vorsitzende der Kreiselternschaft und verweist auf das Niedersächsische Schulgesetz: Danach gibt es seit 2007 die „Eigenverantwortliche Schule“ mit weitreichender Bedeutung für die Schwerpunktsetzung und Profilbildung. Diese sind ausschließlich in den Schulgremien eng mit den Eltern- und Schülervertretungen demokratisch abzustimmen. „Im vorliegenden Fall, an der Hanseschule, ist das leider nicht geschehen“, moniert Sievers. Er habe die Schulleiterin im Ausschuss dazu befragt, und auch zwei Monate später sei die Elternvertretung der Schule noch nicht einmal über das Vorhaben informiert worden.

„Einen solchen Beschluss im Kreistag braucht es nicht, er wäre eine reine Farce. Eine Symbolabstimmung, die mehr schadet als nützt. Denn der Landkreis als Schulträger ist ohnehin gesetzlich verpflichtet, jede Schule bei ihrer Arbeit zu unterstützen – und macht das auch. Ein solcher Beschluss hebelt aber die gesetzlich verankerte Elternbeteiligung und die Schuldemokratie aus, diese wird zur Formsache degradiert“, wirft Sievers den Antragsparteien vor. „Noch vor den schulinternen Beratungen und Beschlüssen sollen hier vollendete Tatsachen geschaffen werden – das ist ein Schlag ins Gesicht für alle engagierten Eltern“, kritisiert Marco Sievers. „Auch die Oberschule muss sich, wie alle anderen Schulen auch, an Regeln halten – sie sollte zunächst mal ihre Hausaufgaben erledigen, bevor sie bewusst eine Abkürzung über die nicht zuständige Politik nehmen und sich hier einen Freischein ergattern will.“

Einzig die Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen hätten im Ausschuss die Sachlage richtig erkannt und dem Kreiselternratsvorsitzenden Recht gegeben. „Unwissenheit schützt vor Torheit nicht“, fasst Marco Sievers das Abstimmungsverhalten der anderen Parteien zusammen. „Hier wird ein Präzedenzfall geschaffen – es entsteht der Eindruck, Schulen müssen sich erst das Wohlwollen der Politik sichern, um ein bestimmtes Profil umzusetzen. Das widerspricht dem Prinzip der „Eigenverantwortlichen Schule“ fundamental.“ Er fordert den Kreistag dazu auf, den Beschluss nicht zu fassen – zumindest so lange nicht, bis sich die Schulgremien mit der Profilbildung beschäftigt haben.

© Fotos: privat


Kommentare Kommentare


Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.



Kommentar posten Kommentar posten

Ihr Name*:

Ihre E-Mailadresse*:
Bleibt geheim und wird nicht angezeigt

Ihr Kommentar:



Lüneburg Aktuell auf Facebook