VIDEO:Ladesäulen-Wildwuchs in Lüneburg – warum nicht einfach im Bordstein?
von Winfried Machel am 03.09.2026Groß, klein, grün, grau oder schwarz: Wer sich die Ladeinfrastruktur in Lüneburg anschaut, entdeckt die unterschiedlichsten Konstruktionen. Unsere Bilder zeigen das ziemlich deutlich. Dabei gibt es längst eine Alternative, die nahezu vollständig im Bordstein verschwindet.
LÜNEBURG AKTUELL hat das Thema Ladebordstein bereits aufgegriffen. Jetzt legen wir noch einmal nach – denn inzwischen sprechen nicht nur theoretische Argumente für die Technik.
Und ein Blick auf Lüneburg zeigt, warum die Diskussion geführt werden sollte.
Christines Bilder dokumentieren völlig unterschiedliche Ladestationen im Stadtgebiet: schmale Säulen, breite Kästen, große Schnelllader, zusätzliche Poller und teilweise mächtige Konstruktionen unmittelbar an Gehwegen und Parkplätzen.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, den Ausbau der Elektromobilität infrage zu stellen. Im Gegenteil: Lüneburg braucht Ladepunkte.
Zum 1. Dezember 2025 gab es nach Angaben der Hansestadt 49 öffentliche Ladesäulen mit 99 Ladepunkten. Hinzu kamen mindestens 77 halböffentliche Ladesäulen mit rund 140 Ladepunkten.
Genau deshalb stellt sich die Frage: Wie soll diese Infrastruktur künftig aussehen?
Eine Ladesäule, die keine Säule mehr ist
Eine mögliche Antwort kommt von Rheinmetall.
Beim sogenannten Ladebordstein steckt die Ladetechnik direkt dort, wo ohnehin ein Bordstein vorhanden ist.
Keine zusätzliche Säule. Kein großer Kasten. Der Gehweg bleibt weitgehend frei.
Die Technik ermöglicht eine Ladeleistung von bis zu 22 kW. Das Elektronikmodul kann für Wartungsarbeiten ausgetauscht werden.
Und inzwischen wissen wir: Das System funktioniert im Alltag.
In Köln wurden vier Ladebordsteine ein Jahr lang im öffentlichen Straßenraum getestet. Nach Angaben Rheinmetalls wurden dabei mehr als 2.800 Ladevorgänge durchgeführt. Die technische Verfügbarkeit lag bei über 99 Prozent.
Die Technik ist inzwischen auch über das Pilotstadium hinaus: Rheinmetall berichtete 2026 über Ladebordsteine in mehreren deutschen Städten beziehungsweise entsprechende Ausbauprojekte.
Warum also nicht Lüneburg?
Genau diese Frage stellen wir erneut.
Lüneburg besitzt eine historische Innenstadt, enge Straßen und vielerorts begrenzten Platz auf Gehwegen. Gleichzeitig soll die Ladeinfrastruktur weiter wachsen.
Warum also nicht ausprobieren, ob Ladebordsteine zumindest an geeigneten Standorten eine Alternative zu klassischen Ladesäulen sein können?
Niemand verlangt, vorhandene Ladesäulen herauszureißen. Und für Schnellladepunkte mit sehr hoher Leistung sind die 22-kW-Bordsteinlader kein Ersatz.
Aber für Fahrzeuge, die mehrere Stunden am Straßenrand stehen, könnte die Lösung interessant sein.
Deshalb unser Vorschlag:
Lüneburg sollte einen Modellversuch starten.
Eine Straße. Einige Ladebordsteine. Ein begrenzter Testzeitraum.
Anschließend lässt sich anhand echter Erfahrungen entscheiden, ob das System für weitere Standorte geeignet ist.
Andere Städte haben die Technik ausprobiert. Der Kölner Versuch ist abgeschlossen und hat belastbare Ergebnisse geliefert.
Warum sollte Lüneburg es nicht wenigstens testen?
LÜNEBURG AKTUELL wird diese Frage deshalb auch direkt an Verwaltung und Politik richten.
Denn wenn in den kommenden Jahren weitere Ladepunkte entstehen, sollte die Diskussion nicht nur darum gehen, wie viele Lüneburg bekommt.
Sondern auch darum, wie Lüneburg danach aussieht.
Quelle: Hansestadt Lüneburg / Rheinmetall
Fotos: Christine Böhm / LÜNEBURG AKTUELL/ Rheinmetall
www.lueneburgaktuell.de
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