Lüneburg, am Montag den 24.08.2026

Viel Einsatz für andere, viel Gewinn für einen selbst

von Carlo Eggeling am 24.08.2026


Es ist viel erreicht, doch es bedarf Engagement, um es zu bewahren -- der neue Vorstand des Vereins Lebenshilfe Lüneburg-Harburg ist sich einig. Die Politik diskutiert Einschnitte im Sozialen Bereich, kommen die, trifft es auch Menschen mit Behinderungen. Das wollen Vorsitzende Christina Wilke und ihre beiden Kollegen Jens Knoop und Ellen Kühn nicht einfach hinnehmen, sie setzen auf neue Mitglieder, um der Bundeslebenshilfe noch mehr Stimmen und Gewicht zu geben. Nur ein Ansatz, um den sich das Trio kümmern möchte.

Christina Wilke tritt die Nachfolge von Dagmar Pitters an, die fast ein Vierteljahrhundert Vorsitzende der Lebenshilfe Lüneburg war. Noch in ihrer Zeit fusionierten die Vereine Lüneburg und Harburg. Damit gingen sie den Schritt, den sie in einer gemeinnützigen GmbH schon lange gegangen waren. Zum Verständnis: Der Verein ist Träger des Unternehmens Lebenshilfe mit Werkstätten, Wohnheimen, Kitas und und und. Rund 1000 Beschäftigte sind dort tätig.

Der Vereinsvorstand pflegt ein gutes Miteinander mit der Geschäftsführung um Inge Seiler-Päpper. Das Dreigestirn betont, eine "transparente Zusammenarbeit auf Augenhöhe, mit gleichen Werten und Zielen". Auch mit dem Werkstattrat, der Vertretung der Beschäftigten mit Einschränkungen, stehe man im Austausch. Den Rat wolle man weiter unterstützen, auch mit der Frage: Was wünscht ihr euch von uns?

Das Engagement für andere kommt wie oft aus Betroffenheit. Christina Wilke ist Professorin für Volkswirtschaft. Eins der beiden Kinder der 49-Jährigen arbeitet in einer Lebenshilfe-Werkstatt in Tostedt. "Vom Waffelbacken über Schriftführerin bin ich in den Vorstand gekommen", erzählt sie mit einem Lächeln über ihre Zeit in Elterngremien. Sie habe jetzt mehr Zeit, um sich mehr einsetzen zu können.

Jens Koop beschreibt es es ähnlich. Eine Tochter des 56-Jährigen hat das Down Syndrom. Der IT-Manager kam ebenfalls über Elternarbeit zum Vorstand. Ellen Kühn, gelernte Bankkauffrau mit einem nicht ganz abgeschlossenen Studium als Sozialpädagogin, war schon vorher im Vorstand des Harburger Vereins aktiv, seit 1999. Ihre Tochter sei 1984 in die Kita der Lebenshilfe gekommen. Die 69-Jährige sagt: "Damals war schon vieles aufgebaut, ich wollte Danke sagen, das treibt mich noch heute an."

Ökonomische und soziale Kompetenz vereinen sich an der Vereinsspitze. Auch deshalb habe man die Fusion der beiden Vereine vorangebracht. Knoop sagt: "Wir erleben, dass sich weniger Menschen ehrenamtlich engagieren." Daher müsse man Kräfte bündeln -- und neue Mitglieder finden.

Christina Wilke ergänzt: "Niedrigschwellig, es kann um Nachmittage bei einem Spielangebot gehen oder darum, ein Parkett abzuschleifen." Daraus könne mehr erwachsen. Eine Mitgliedschaft, um den Verein und seine Arbeit zu stärken.

Ellen Kühn sagt, es geht -- auch wenn heute bereits viel erreicht sei -- wie zu Beginn darum, "Inklusion umzusetzen. In Köpfen gibt es noch viele Barrieren, die den Alltag prägen." Wilke fügt an, es gehe letztlich auch um die älter werdende Gesellschaft. Viele Barrieren schränken Senioren -- die Herausforderungen wachsen also.

Ihren Einsatz empfinden die drei an der Vereinsspitze trotz der ehrenamtlichen Arbeit nicht als Belastung, sie sind sich einig: Man bekomme viel zurück. Sich einzusetzen, kann ein Geschenk sein. Carlo Eggeling

Das Foto zeigt Ellen kühn, Christina Wilke und Jens Knoop vor einen Foto der Belegschaft der Werkstatt am Vrestorfer Weg.

© Fotos: ca


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