Wasser als Wärmespender
von Umweltministerium am 27.07.2026Das teilt das Ministerium mit:
Energie aus der Wasserleitung: Pilotanlage in Lüneburg erschließt neue Wärmequelle
Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Christian Meyer hat am Freitag in Lüneburg eine Pilotanlage der Firma Avacon zur Wärmegewinnung aus Trinkwasser in Betrieb genommen. Mit diesem innovativen Ansatz wird in Deutschland ein neues Potenzial für eine saubere Wärmegewinnung erschlossen. Das von der Avacon AG initiierte und durch den Bund geförderte Projekt untersucht unter realen Betriebsbedingungen, wie die im Trinkwasser enthaltene Wärmeenergie sicher und effizient für die klimafreundliche Wärmeversorgung genutzt werden kann.
Minister Meyer hat die neue Anlage gemeinsam mit Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch und Avacon-CEO Matthias Boxberger gestartet. Avacon investiert rund 500.000 Euro in das auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt. Die Anlage nutzt einen Teilstrom des Trinkwassers, der über einen Wärmetauscher geführt wird. Die dem Wasser entzogene Wärme bekommt mithilfe einer Wärmepumpe eine für Heizung und Warmwasser nutzbare Temperatur. Die Trinkwasserqualität bleibt dabei vollständig erhalten. Das abgekühlte Trinkwasser wird danach wieder in das Versorgungsnetz zurückgeführt.
„Die Wärmewende ist ein wichtiger Bestandteil einer klimaneutralen Energieversorgung. Während wir beim Strom schon viel erreicht haben, wird noch viel zu viel Öl und Gas zum Heizen eingesetzt. Das wegweisende Lüneburger Projekt zeigt, wie neue Potenziale erschlossen werden können, ohne Kompromisse einzugehen, etwa beim Schutz des Trinkwassers“, so Minister Meyer. „Die Wärmegewinnung aus Trinkwasser hat den Vorteil, dass die Bohrungen und Pumpen schon da sind, um das Wasser an die Oberfläche zu holen. Neben Geothermie, Solarthermie und Aquathermie aus Gewässern und Abwässern kann dies ein weiterer wichtiger Baustein für eine nachhaltige und ressourcenschonende Wärmeversorgung werden. Für eine erfolgreiche Wärmewende müssen wir alle verfügbaren Potenziale, die oftmals verbrauchernah, in der Fläche und in großem Umfang verfügbar sind, nutzen. Zugleich reicht eine Wärmequelle oftmals nicht aus, um bei der kommunalen Wärmeplanung alle Gebiete durch Fern- oder Nahwärme zu versorgen.“
Bei der Lüneburger Pilotanlage stellen geschlossene Kreisläufe, mehrstufige Sicherheitsmechanismen und eine kontinuierliche Überwachung sicher, dass weder Hygiene noch Versorgungssicherheit beeinträchtigt werden. Die Anlage dient zunächst der Eigenversorgung des Wasserwerks. Gleichzeitig soll sie belastbare Daten zur technischen Machbarkeit, Energieeffizienz und Betriebssicherheit liefern. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, das Potenzial der Technologie für eine breitere Anwendung in Deutschland zu bewerten.
Nach Berechnungen könnte die Nutzung von Wärme aus Trinkwasser bundesweit erhebliche Beiträge zur Wärmewende leisten. Würde rund ein Drittel des Trinkwassers um vier Grad Celsius abgekühlt, könnten jährlich etwa 7,3 Terawattstunden Wärmeenergie gewonnen werden. Für die Hansestadt Lüneburg ließe sich perspektivisch bis zu einem Viertel des heutigen Wärmebedarfs auf diese Weise decken.
Derzeit sind solche Anlagen für den Regelbetrieb in Deutschland noch nicht erlaubt, während sie in anderen Staaten bereits zum Einsatz kommen. Erfahrungen aus europäischen Nachbarländern zeigen bereits, dass das Verfahren technisch umsetzbar ist und hygienisch sicher betrieben werden kann. Die Ergebnisse des Pilotprojekts, das wissenschaftlich begleitet wird, sollen deshalb in Deutschland eine wichtige Grundlage auch für die Weiterentwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen liefern.
Minister Meyer: „Damit wir diese Technik nutzen können, muss am Ende die Trinkwasserverordnung angepasst werden. Spätestens mit den hier gewonnenen Erkenntnissen sollten wir genug Argumente zusammen bekommen, damit die Verordnung von Bund und Bundesrat geändert wird und das innovative Verfahren breit eingesetzt werden kann.“
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