Wenn die Demo zur Dauerveranstaltung wird
von Winfried Machel am 11.06.2026
Von Winfried Machel
Am 21. Juni ist es wieder so weit: Eine Fahrraddemo zieht durch Lüneburg. Die Hansestadt beruhigt bereits vorsorglich.
Die Verkehrsbehinderungen würden „voraussichtlich weniger als eine halbe Stunde dauern“.
Das mag stimmen. Die Frage ist allerdings, wie oft die Bürger inzwischen hören sollen, dass die nächste Behinderung ja nur kurz dauert.
Ob Fahrraddemo, Klimaprotest, Kundgebung oder Aktionsfahrt – das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut unserer Demokratie. Daran gibt es nichts zu rütteln. Wer für seine Anliegen auf die Straße geht, hat dazu jedes Recht.
Doch genauso legitim ist die Frage, ob die immer gleiche Strategie noch die richtige ist. Wer regelmäßig Straßen sperrt, Pendler aufhält und den Verkehr ausbremst, erreicht irgendwann nicht mehr Aufmerksamkeit für sein Anliegen, sondern vor allem Frust bei denjenigen, die davon betroffen sind.
Besonders interessant ist dabei die Formulierung der Stadtverwaltung. Wenn bereits in der Pressemitteilung darauf hingewiesen wird, dass die Einschränkungen weniger als eine halbe Stunde dauern sollen, dann zeigt das vor allem eines: Man weiß längst, dass viele Bürger von solchen Aktionen genervt sind.
Lüneburg ist keine Millionenstadt. Wer hier unterwegs ist, merkt schnell, wenn Hauptverkehrsachsen blockiert werden. Und wer am Sonntagmorgen zur Arbeit, zum Bahnhof oder zu einem Termin muss, wird wenig Trost darin finden, dass die Verzögerung „nur“ 30 Minuten beträgt.
Vielleicht wäre es an der Zeit, darüber nachzudenken, wie politische Botschaften Menschen überzeugen können, ohne sie regelmäßig auszubremsen. Denn Akzeptanz gewinnt man selten dadurch, dass man anderen vorschreibt, langsamer zu fahren oder zu warten.
Wer für das Fahrrad werben möchte, sollte vor allem zeigen, warum Radfahren attraktiv ist. Dauerhafte Sympathie entsteht durch gute Argumente – nicht durch Straßensperrungen.
Und genau darüber sollte man in Lüneburg einmal offen diskutieren. :::
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