Wer lässt sich mit wem ein? Sie haben die Wahl
von Carlo Eggeling am 19.09.2026 Meine Woche
Flirt. Politisch
Willst du mit mir geh'n? Ist ein bisschen wie auf dem Schulhof, wer unterstützt wen bei OB- und Landratswahl? So richtig knistert es bei keinem. Die Landpommeranzen wollen was anderes als die Stadtpflanzen. Gärtner, Schuler, Kalisch, Meyer. In den Lagern ist man sich nicht einig, mit wem man sich einlassen soll. Denn nach dem Wahltermin am 27. September ist die Nacht zu Ende, man muss an den Frühstückstisch. Vielleicht mit dröhnendem Schädel und dem Gedanken, weshalb bin ich hier gelandet? Doch noch gilt ein bisschen Goethe "Mich reizt dein schön Gestalt". Brausig. Hinter den Kulissen tuschelt der mit dem und die mit den anderen. Damals waren es Zettelchen, heute WhatsApp, um eine mögliche Liebelei voranzubringen.
Die beziehungsoffene Tendenz im Moment von links bis rechts soll ganz modern wirken: keine Wahlempfehlung. Der Wähler sei mündig und entscheide selbst. Das hat er immer, aber heuer schlackert dieses ausgeleierte Wort Wertschätzung im Motor der Politik. Der Grund: Es reicht eh für keine einfache Liaison. Oscar Wilde, leidgeprüft und schwankend, wusste: "Zu einer glücklichen Ehe gehören meist mehr als zwei Personen."
Dass Liebe durch den Magen geht, zeigt CDU-Landratskandidat Steffen Gärtner. Der hat jetzt ein paar Dutzend Jugendliche zum günstigen Döner auf dem Thorner Markt eingeladen. Das beweist zweierlei: Der Mann denkt an Nachwuchs, zudem ist er heimattreu und weltoffen: Döner gehört längst zu den deutschen Nationalgerichten. Aber reichen Selfies für mehr?
Claudia Kalisch hat mich wirklich verblüfft, so viel Selbstironie hatte ich ihr nicht zugetraut: "Inhalte statt Populismus." Inhaltlich setzt sie auf persönliche Evergreens, die bereits vor fünf Jahren verkündet hatte. "Zeit, dass sich was dreht", gedreht hat sie sich vor allem um sich selbst. Mit wehendem Haar. Stets von der ehemaligen Pressestelle des Rathauses begleitet. Keine Solardächer, kein Marienplatz mit Sternchen, keine Dachgeschosse als Wohnraum, kein Rundum-Pedalo-Glück. Leerstand auf hohem Niveau. Aber aus dem Rathaus wird mehr gelächelt. Liebevoll?
Populismus? Wo bleibt die klare Distanz zu dem großsprecherischen Internetkanal für Halb- und Dreiviertelnazis, der sie anhimmelt, Wahlwerbung für sie macht und gleichzeitig AfD-Videos 1:1 rauspustet. Ohne eindeutige Abgrenzung wirkt es so, als besäßen Frau Kalisch und die Grünen in dieser Angelegenheit keine Brandmauer. Wer pflegt die heimliche unheimliche Beziehung? Populismus? Natürlich nur von mir. Ich entschuldige mich sofort.
Heiko Meyer. Eigentlich müssten sich alle hinter ihm versammeln, die nicht mit Kalisch Händchen halten wollen. Der hat zwar wenig Ahnung von Verwaltung, aber dass er einiges anders machen dürfte, liegt auf der Hand. Er braucht Expertise, die kann aus den Parteien kommen. Lenkend. Aus denen ist lange zu hören, von wem man meint, dass er bestens aus dem Stab zum Briefmarkensortieren wechseln könnte. Vom Schulhof der Techtelmechtel wispert es über Heiko: "Schlimmer kann's doch nicht werden. Sie sollten es probieren."
Bleibt André Schuler. Ein netter Kerl. Mich beeindruckt seine Offenheit. Bis in die Stichwahl sei er gekommen, sagt der Landratskandidat der SPD. Das sei ein großer Erfolg. Klar, möchte er ins Kreishaus einziehen. Deshalb kämpfe er. Wenn es am Ende nicht reiche, sei das so. Er habe einen guten Job. Das wirkt zumindest entspannt: Sich selbst zu lieben, bedeutet eine lebenslange Romanze.
Wer lässt sich mit wem ein? Gut überlegen. Denn der unmoralische Moralist Wilde erlebte: "Die Ehe ist ein Versuch, zu zweit wenigstens halb so glücklich zu werden, wie man allein gewesen ist."
Egal wer's werden soll, kommt drauf an, dass viele wählen gehen. Beziehung bedeutet Verantwortung, neben all dem Spaß. Denn nach einer wochenlangen Amour fou müssen Stadt und Kreis sich aus den Decken in den Alltag wälzen. Da braucht's Oscar Wildes Gelassenheit: "In dieser Welt gibt es nur zwei Tragödien. Die eine ist, nicht zu bekommen, was man möchte, und die andere ist, es zu bekommen."
In diesem Sinne freue ich mich mit Oscar Wilde aufs Wochenende: "Lieber mach’ ich mir einen Feind, als dass ich auf eine Pointe verzichte." Carlo Eggeling
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