Wirtschaft stärken, keine neuen Stellen im Rathaus
von Carlo Eggeling am 16.07.2026Wer Geld ausgeben will, soll benennen, an welcher Stelle er weniger ausgeben möchte. Prioritäten setzen, nennt das die Lüneburger FDP. Den Hintergrund formuliert OB-Kandidat Frank Soldan im Superlativ: Um die Finanzen der Stadt sei es "katastrophal" bestellt. Vereine und Organisationen müssten sich darauf einstellen, dass sie künftig mit weniger Zuschüssen aus der Stadtkasse auskommen müssten. Das Personal in den Ämtern, in den Jahren unter der grünen Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch um rund 250 Jobs gewachsen, dürfe nicht weiterzunehmen, denn, so ergänzt Fraktionskollege Cornelius Grimm, obwohl mehr Mitarbeiter da sein, dauere es zu lange, bis Bauanträge bearbeitet würden, wer einen Antrag stelle, um einen Baum zu fällen, warte inzwischen noch länger als vor Jahren.
Das Zauberwort, das land auf, land ab fällt, ist auch hier zu hören: Digitalisierung. Die müsse man allerdings richtig anwenden. Es sei anachronistisch, dass Daten aus quasi elektronischen Formularen per Hand in entsprechende Listen übertragen werden. Abteilungen seien zudem nicht ausreichend miteinander vernetzt. Flexibilität sei nötig, wer in der Verwaltung arbeite, müsse umgesetzt werden können, wenn Aufgaben wegfallen.
Bei bei der Pressekonferenz mit nur mir als Teilnehmer, die Zeitung habe keine Zeit, hieß es von den Freien Demokraten, nannten Soldan und Grimm Beispiele für Projekte, deren Folgen nicht ausreichend bedacht worden seien: Die Grünen Oasen als Schattenspender seien so ein Fall, als der Beschluss fas Mobilitar mit ein bisschen Grün anzuschaffen, sei nicht erwähnt worden, dass man zwei bis drei Kollegen brauche, um die Inseln zu gießen -- mehr Mitarbeiter, mehr Ausgaben.
Einen Schwerpunkt wollen die Liberalen unter anderem bei der Bildung setzen. Es sei richtig, Schulen zu modernisieren. Schon die Ausstattung wie passende Stühle, dazu technisches Equipment und klimatisierte Räume trügen 16 Prozent zum Lernerfolg bei. Dies würden Studien belegen.
Die Stadt müsse die Wirtschaft mehr in den Blick nehmen. Das heiße, Gewerbeflächen zur Verfügung stellen. Am Bilmer Berg sei rund die Hälfte vergeben. Mit dem Ausbau der Autobahn in Richtung Süden werde die Nachfrage steigen. Rätselhaft erscheint Grimm, warum die Stadt nicht Areale zwischen Lüneburg und Bardowick nutze, die 1979 dafür vorgesehen seien: Aus der Goseburg führe ein Gleisanschluss in das Gebiet, die Bessemer Straße sei als Zufahrt angelegt worden. Weil man das Gelände wohl aus dem Blick verloren habe, funkeln dort inzwischen Solaranlagen in der Sommersonne.
Mobilität, Handel und städtisches Leben müsse zusammengedacht werden, sagen die Ratspolitiker. Aus dem Umland kämen nicht alle mit Rad oder Bus, daher brauche es ein modernes Parkleitsystem für Autofahrer, überdies einen Shuttleservice. Elektromobilität sei wichtig, Ladestationen integriert in Bordsteinkanten und Laternen, die es in anderen Städten gebe, müssten kommen. Die große Tempo 30-Begeisterung teilt das Duo nicht: Wer auch auf Hauptstraßen gebremst werde, könnte Ausweichstrecken durch Wohngebiete nutzen. Damit entfalle die Idee der gelenkten Verkehrs.
Am Ende bleibt, auch FDP-Ideen kosten Geld, die Einnahmen der Stadt werden für Pflichtaufgaben und freiwillige Leistungen trotz Rotstift nicht reichen. Der nächste Rat samt Stadtoberhaupt steht künftig vor Herausforderungen. Angesichts zu erwartender politischer Verschiebungen, AfD und Linke dürften mutmaßlich mit mehr Abgeordneten vertreten sein, kommt es auf Bündnisse an. Soldans Chancen, tatsächlich Verwaltungschef zu werden, fallen angesichts Umfragewerte für die FDP eher überschaubar aus. Gleichwohl will er im kommenden Rat weiter Politik machen. Er vermutet, dass es angesichts neuer Stärken der verschiedenen Parteien viel stärker auf Absprachen, wechselnde Bündnisse und Kompromisse ankommen wird, um Politik zu machen. Dafür werde es die FDP brauchen -- da könnten zumindest einige Anliegen der Liberalen umgesetzt werden. Carlo Eggeling
Das Bild zeigt Frank Soldan und Cornelius Grimm, ihr Leitmotiv: „Zukunft von hier. Damit Lüneburg funktioniert.“
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