Wirtschaftsfaktor Volksfest — ein Besuch beim Dom-Stammtisch
von Carlo Eggeling am 28.07.2026In Lüneburg möchten Umweltverbände das Feuerwehr zu Frühjahrs- und Herbstmarkt streichen, auf dem Hamburger Dom darf der Himmel an vier Freitagen über dem Heiligengeistfed leuchten. Auch an der Elbe gab es Diskussionen, Termine wurden gestrichen. Doch nun können wieder Lichtmalereien in den Abend gezaubert werden. Es habe an Tagen ohne Feuerwerk Umsatzeinbrüche von rund 30 Prozent gegeben, sagte Benno Fabricius am Montagabend beim Dom-Stammtisch. Die Politik hatte ein Einsehen, revidierte die Entscheidung. Fabricius, Schausteller aus Lüneburg, gehört auch in Hamburg zum Urgestein der Branche.
Die Schausteller sind in der Hamburger Politik und Verwaltung gut verankert. Knapp 100 Gäste saßen in der "Bauernkate" des Hamburger Schaustellerpräsidenten Robert Kirchhecker. SPD und CDU waren gut vertreten, die FDP einmalig. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) ist gern zu Gast, CDU-Oppositionsführer Dennis Theding sitzt regelmäßig in der Runde, SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf ebenso. Wer ein paarmal dabei war, erkennt mühelos, wie sehr zumindest ein Teil der Politik erkannt hat, dass die Schausteller ein Wirtschaftsfaktor sind.
Dom, Alstervergnügen, Hafengeburtstag, Weihnachstmärkte, dazu Feste in den Bezirken, Zuckerbuden und Karussells gehören dazu. Im Tourismusmarketing ist klar, dass Gäste ihr Programm für ein paar Tage in der Metropole verbinden: Musical, Reeperbahn, Elphi, Museen, Alster- und Hafenschippern und eben Dom.
Nach langen Jahren haben Kirchhecker und seine Mitstreiter erreicht, dass der Sommerdom um eine Woche verlängert wurde. Dafür müssen sie etwas schneller abbauen als vorher, weil der Platz anderweitig genutzt wird. Doch für für die Kollegen ist es ein echter Gewinn, betonen sie. Weniger Wartezeit, um zu anderen Festen zu fahren, durch die Verlängerung weniger Kosten für Auf- und Abbau, Diesel und und und. Dazu die Rechnung: Haben wir ein paar Tagen Regen, holen die anderen es wieder raus. Robert Kirchhecker freute sich und sagte zu Dressel: "Was wir uns gewünscht haben, haben wir durchgesetzt. Ich bin zufrieden."
Selbstverständlich haben sie weitere Anliegen: eine Verbesserung des Parkleitsystems, um Autofahrer auf die leeren Plätze in den umliegenden Parkhäusern aufmerksam zu machen. Das sei besonders wichtig, wenn die Glacischaussee mit ihren rund 12 000 Quadratmetern Fläche über Jahre zur Lagerfläche einer Großbaustelle werden könnte. Für den Neubau der Linie U5 sollen dort Tunnelbohrmaschinen und Zubehör gelagert werden. Wichtig ist den Rummel-Leuten, dass ihnen für mögliche Fluchtwege kein Platz auf dem Gelände genommen wird.
Welche Bedeutung der Dom in der eigenen Branche besitzt, zeigte sich unter anderem daran, dass Vertreter aus der gesamten Republik beim 83. Dom-Stammtisch mit Bier und Wein anstießen, darunter Bethel Thelen, Vize-Präsident des Verbandes mit 5000 Mirgliedern. Sein Thema: Arbeitskräftemangel. Es seien nur wenig einheimische Mitarbeiter zu finden, die mit dem "ambulanten Gewerbe" herumreisen wollen, daher müsse es eine Drittstaaten-Lösung geben, ausländische Arbeitnehmer müssten einfacher beschäftigt werden können.
Senator Dressel unterstrich die Zusammenarbeit, man fühle sich in Kirchheckers Zelt wie "in einer großen Familie". Die Vergnügungsunternehmer seinen Teil "eines besonderen Kulturguts dieser Stadt". Den verlängerten Dom teste man zwei Jahre, laufe es gut, könnte es zur Dauereinrichtung werden: "Wir nehmen das mit in die Bürgerschaft und in den Senat." Zustimmung von Oppositionsführer Theding: "Daran kann man sich gewöhnen."
Lüneburger spielen auf dem Dom eine große Rolle und der für sie, ein Dutzend Betriebe aus der Region ist mit verschiedenen Angeboten vom Autoscooter, über das Karussell Love Dream bis Geschicklichkeitsgeschäften und Süßwaren. Die Verbindung an die Ilmenau ist also eng. Lüneburgs Marketingchefin Gitte Lansmann saß in der Runde, ebenso Jule Grunau. Die Bürgermeisterin setzte quasi einen grünen Akzent: Denn Hamburger Parteifreunde am waren am Montagabend nicht dabei. Das ist in der Salzstadt anders, zum Frühjahrsmarkt und dem Oktoberfest kommen Vertreter aus fast allen Gruppierungen auf die Sülzwiesen. Carlo Eggeling
Der Sommerdom läuft bis zum 30. August auf dem Heiligengeistfeld. Mit dem Zug und der U3 vom Hauptbahnhof geht es in einer Stunde zu den Stationen St. Pauli oder Feldstraße.
Das Foto zeigt Benno Fabricius bei der Begrüßung der Gäste.
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