Lüneburg, am Montag den 07.09.2026

Zwei Männer fürs Leben

von Carlo Eggeling am 07.09.2026


Der schönste Moment leuchtet, als sich Rainer und Ebi für ein Foto an den kleinen Teich neben ihrem Haus stellen. Anschmiegen, die Blicke schimmern verträumt. Sie haben sich sehr lieb. Nach unserem Treffen lädt Ebi das Bild auf seinem Profil hoch. Glück kann man zeigen. 36 Jahre sind sie ein Paar, jetzt feiern sie Silberhochzeit. Eigentlich eine Geschichte, die viele Ehen schreiben. Bei den beiden ist es etwas anders: Sie sind schwul und waren das erste Paar in Lüneburg, das sich "verlebenspartnert" hat. Eine eingetragene Gemeinschaft, das 2001 geschaffene Gesetz war ein großer Schritt für gleichgeschlechtliche Paare. Die "richtige Ehe", können Paare erst seit 2017 eingehen. Das die beiden Männer selbstverständlich "ergänzt". Rainer Junker, Eberhard Junker-Schumacher und ich kennen uns eine Ewigkeit. Es ist daher eine persönliche Geschichte.

Rainer arbeitete lange Jahre auf dem Bahnhof als Aufsichtsbeamter, so hieß das damals. Immer schmuck in seiner Uniform und mit einer Stimme, der ein wenig reibt und schwingt. Wenn er sagte: "Lüneburg. Hier ist Lüneburg" klang der Stadtname nach Versprechen und kleinem Abenteuer. Als "Wohlfühlstimme von Lüneburg" war er dem Bahnmagazin einen langen Beitrag wert.

Das Glück der beiden beginnt am Strand von Sierksdorf. Der "Blaue Abel", versteckt an der Lübecker Bucht, gehört seit einer Ewigkeit zu den Treffs für Männer. "Da haben wir uns kennengelernt", erinnert sich Rainer. "Ich saß da in Badehose wie die Meerjungfrau in Kopenhagen auf ihrem Stein." Ebi lächelt: "Er ist mir aufgefallen, aber ich war in einer Beziehung. Wir haben uns ein Jahr später in Toms Salon in Hamburg wieder getroffen. Ich war gar nicht auf eine Beziehung aus, ich hatte Enttäuschungen hinter mir." Er wartet einen Augenblick, so klingt es noch intensiver: "Ich war in Flammen." Rainer strahlt: "Ich war auch in Flammen."

Her und hin. Ebi, in Hamburg zu Hause, überlegte sich etwas, um "zufällig" an die Ilmenau zu kommen, es schnackelte. Ebi war in der "Lederszene" an der Alster unterwegs, viele Freunde. Es ruckelte, doch Ebi war sich sicher, wen er wollte, "aber keinen goldenen Käfig". Rainer sagt: "Ich musste meine Eifersucht in den Griff bekommen." Damals habe den beiden kaum einer eine Chance gegeben. Rainer lacht: "Ich als Landpommeranze und er als Großstadtpflanze." Liebe ändert vieles. 36 Jahre.

Rainer zählte zur Lüneburger Szene, im Schwulenlokal an der Rotehahnstraße machte er mit. Es gab andere Wirte, die Männer liebten. Am Stint, an der Heiligengeiststraße. Man kannte sich. Schwul sein galt auch als politische Frage. Bei Christopher-Street-Days wollten sie nicht nur schrill Party feiern, sondern dafür stehen, anerkannt und gleich behandelt zu werden: Wer was in seinem Schlafzimmer macht, ist egal, weil privat. Doch was haben Sex und Miteinander damit zu tun, nicht heiraten und füreinander Verantwortung übernehmen zu dürfen?

Die Gemeinschaft kämpfte und setzte Selbstverständliches durch. Die beiden "Jungs" leben diese Selbstverständlichkeit.

Als vor Jahren ein Paar aus Russland vor Verfolgung in die Salzstadt flüchtete, kümmerten sich Rainer und Ebi, besorgten eine Wohnung, halfen bei der Sprache. Dimitri und Wanja, die ihren Weg gemacht haben, sind beste Freunde und auch ein Beispiel dafür, wie politisch Homosexualität noch immer ist.

Sie seien nicht angefeindet worden, sagen Rainer und Ebi. Aber sie merkten schon, dass sich das Klima ändere. Ebi berichtet im Netz werde er beschimpft, in NS-Zeiten hätte man "solche wie dich zum Abduschen" geschickt. Das meint Auschwitz und die Gaskammern. Sie halten gegen, einfach weil sie leben, wie sie leben. Mit Freunden am Inselsee oder mit ihren Nachbarn. Warum auch nicht?

Alles ruhiger. Liege am Alter, Rainer ist 76, Ebi 67. Sie wohnen im Moorfeld mit großem Garten, klar, fährt Ebi bei einem Ausflug mit dem Schwulen Heidekönig mit. Ab und an mal ein Abstecher zu einem Umzug. Party in kleiner Dosis bleibt. Als sie sich das Ja-Wort gaben, kamen 170 Gäste zum Polterabend, zur „richtigen Feier“ tanzten sie bis morgens um fünf fast 150. Wenn sie nun Silberhochzeit feiern, erwarten sie 50 Freunde, darunter die damalige Standesbeamtin Susanne Twesten, mit der sie Kontakt halten.

Wieder in der Hasenburg, so wie vor einem Vierteljahrhundert, nur tagsüber, gegen 18 Uhr soll Schluss sein. Wie gesagt das Alter. Abends kann man schließlich so herrlich kuscheln. Carlo Eggeling


Die Fotos zeigen Rainer und Ebi damals bei ihrer Lebenspartnerschaft und mit ihren Gästen im Standesamt, dazu ein Bild er beiden am Teich neben ihrem Haus im Moorfeld.

© Fotos: ca / Privat


Kommentare Kommentare


Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.



Kommentar posten Kommentar posten

Ihr Name*:

Ihre E-Mailadresse*:
Bleibt geheim und wird nicht angezeigt

Ihr Kommentar:



Lüneburg Aktuell auf Facebook

Auf iOS: Teilen ➜ „Zum Home-Bildschirm“